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Reform der Zukunftsvorsorge umstritten


Zukunftsvorsorge: Mittelweg gefragt

Schon seit 2003 wird die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge (oder oft auch "Prämienpension" bzw. ähnlich genannt) von Banken und Versicherungen mit großem Erfolg vertrieben. Denn diese eignet sich wunderbar zur halbwegs sicheren Pensionsvorsorge (aufgrund der Kapitalgarantie) und wird sogar noch staatlich gefördert.

Die Konsumenten nahmen das Produkt Zukunftsvorsorge gut an: Einerseits gibt es höhere Ertragschancen (Aktienanteil), andererseits sind absolute Verluste ausgeschlossen und über ein paar Euro Förderungen freut man sich in Österreich immer. Nebstbei (kurz zusammengefasst) muss bei der Zukunftsvorsorge bei den Prämien keine Versicherungssteuer gezahlt werden, die Erträge sind KESt.-frei und bei der (vorgesehenen) Auszahlung als lebenslange Rente fällt keine Einkommensteuer an. Mehr als 1 Mio. Verträge gibt es derzeit in Österreich. Mehr zum Produkt: Zukunftsvorsorge

Aktienanteil seit Beginn umstritten

Auch wenn das Produkt Zukunftsvorsorge von Anfang an sehr erfolgreich lief (und nun ein wenig stagniert): Schon bald wurden richtigerweise Stimmen laut, dass man den Aktienanteil (40%) flexibler gestalten sollte.

Nachdem aber die Börsen stiegen und stiegen, war dies kein Thema, welches politisch im Vordergrund stand.

Im Zuge der Finanzkrise kam aber auch die Zukunftsvorsorge in die Schlagzeilen - die Pensionskassen fuhren z.B. mit Aktienverlusten schwere Verluste ein. Nachdem es bei der Zukunftsvorsorge ob deren kurzer Existenz noch keine Verträge gibt, welche schon in der Verrentungsphase sind, war von den Verlusten noch niemand direkt betroffen - wenn auch die meisten Verträgen plötzlich wesentlich weniger Kapitalbildung aufwiesen.

Und so wurde auch die heimische Politik wieder ein wenig hellhörig (wenn auch mit Zeitverzögerung): Was passiert, wenn man knapp vor Ende der Laufzeit (also knapp vor Beginn der Privatpension) durch eine schwache Phase (oder eben eine ausgewachsene Finanzkrise) plötzlich 30% weniger Pensionskapital hat. Blöde Geschichte...

Aktienanteil dem Alter anpassen

Eine Anpassung des Aktienanteils an das Alter des Vertragsinhabers macht sicher Sinn. Denn gerade bei Pensionsvorsorgeprodukten (welcher Art auch immer - gilt natürlich auch für Tilgungsträger bei Krediten und andere Produkte) sollte man in den letzten Jahren der Laufzeit die hoffentlich gute Performance der Produkte in Sicherheit bringen.

Und genau hier fehlt es derzeit noch an einem Instrument für die Zukunftsvorsorge.

Im derzeit politisch diskutierten Entwurf des Finanzministeriums (welcher am 17.11 den Ministerrat passieren soll) ist eine Senkung der Aktienquote auf 15 bis 30% vorgesehen. Und zwar je nach Alter des Kunden.

Das ist zwar sicher ein richtiger Ansatz - man sollte aber nicht vergessen, dass die Zukunftsvorsorge auch dafür gedacht war, den heimischen Kapitalmarkt (= die Wiener Börse) ein wenig in Schwung zu bringen. Was auch durchaus gelang.

Die Käufer derartiger Produkte hatten den Reiz der Aktiengewinne sowie eine Kapitalgarantie zur Verfügung. Die Wiener Börse bekommt dadurch laufend frisches Kapital - der tolle Kursanstieg der letzten Jahre in Wien ist mit Sicherheit auch der Zukunftsvorsorge zuzuschreiben.

Was die Geldmarie hier sinnvoller finden würde: Die 40%-Quote aufrecht lassen, bei ab 50-jährigen nur noch eine Quote von 25 bis 30% und die Möglichkeit bieten, dass in den letzten 5-8 Jahren vor Pensionsantritt (derzeit mit 65 vorgesehen) der Kunde den Aktienanteil selbst bestimmt und diesbezüglich verpflichtend von der Versicherung bzw. Bank kontaktiert (um auch diesbezügliche Information bzw. Beratung zu gewährleisten) wird.

Das ist zwar ein geringer Aufwand - aber mit Sicherheit ein sinnvoller!

Würde man nun einige neue Varianten und Optionen für die Zukunftsvorsorge anbieten, erhöht dies auch die Flexibilität für das Produkt - ohne die eigentliche Sicherheit (die natürlich auch an der Performance nagt) der Zukunftsvorsorge zu gefährend. Mehr Möglichkeiten - mehr Kunden.

Streit um Kapitalgarantie

Politisch gibt es derzeit einen Streit um die Kapitalgarantie. Die ÖVP-Fraktion möchte auch Produkte ohne Kapitalgarantie fördern - die SPÖ ist hier strikt dagegen und möchte keine "Steuergelder für Spekulation" ausgeben.

Beides natürlich parteipolitisch legitime Ansätze - mit jeweils einigen Argumenten (die ich Ihnen hier erspare).

Wenn es nach der Geldmarie geht, sollte die Risikobeurteilung der Endverbraucher (Konsument) nämlich selbst machen können. Ein Kompromissvorschlag der Geldmarie: Einfach auch eine Zukunftsvorsorge mit 50 bis 60% Aktienanteil (der Rest sicher veranlagt) machen, welche keine Kapitalgarantie hat (ähnlich der fondsgebundenen Lebensversicherungen) und welche trotzdem gefördert wird.

Das stärkt den Kapitalmarkt, spart Risikokosten (Kapitalgarantie) und erlaubt auch risikofreudigeren Anlegern (welche das Risiko natürlich selbst tragen müssen) von der staatlichen Förderung zu profitieren. Und zwar ohne dass man das gleich als Spekulation (100% Aktien) hinstellen muss.

Wesentlich ist hier natürlich, dass der Kunde auch weiß, was er hier unterschreibt! Gute Beratung sowie mündige Anleger sind also Voraussetzung für dieses Produkt.

Was auch immer nun politisch beschlossen wird: Man sollte den schon bestehenden Verträgen die Möglichkeit geben, auf neue Varianten umzusteigen - dies sollte aber keinesfalls verpflichtend sein. Denn so sehr man auch über Varianten diskutieren kann: In bestehende Vereinbarungen sollte gerade bei diesen Verträgen nicht eingegriffen werden - wenn schon, dann ausschließlich zugunsten der Vertragsinhaber.

Ad hoc-Meldung - November 2009
Zuletzt verändert: 23. 08. 2012, 10h30