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Die Geldmarie

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Interview mit der Windkraft Simonsfeld AG


Windkraft Simonsfeld zieht um - und bleibt sich treu

Eindrucksvolle 311 Millionen Kilowattstunden grünen Strom hat die Weinviertler Windkraft Simonsfeld AG im Vorjahr (größtenteils mit Windrädern) erzeugt, 2014 sollen es für das Unternehmen aus Ernstbrunn gar schon 360 Mio. kWh werden - die Windkraft in Österreich wächst also weiterhin stark und die WK Simonsfeld spielt diesbezüglich eine wichtige Rolle.

Nach unseren Interviews mit der W.E.B Windenergie und der oekostrom AG hat sich mit der Windkraft Simonsfeld ein weiteres Unternehmen mit mehrheitlich privaten Aktionären bereiterklärt, einige Fragen zum Unternehmen und zur Branche zu beantworten - das Interview wurde via Mail (zwecks CO2-Vermeidung) mit dem Leiter Marketing & PR, Herrn Wilfried Dimmel, geführt.

Windkraft Simonsfeld AG im Geldmarie-Interview

Geldmarie: Der Geschäftsbericht 2013 der Windkraft Simonsfeld AG wird erst am 20.05.2014 veröffentlicht. Was kann man jetzt schon über das Vorjahr verraten?

Windkraft Simonsfeld, Wilfried Dimmel: Unsere Produktion lag 2013 4% über Plan: In Summe hat die Windkraft Simonsfeld AG 311 Mio. Kilowattstunden sauberen Strom produziert - eine Menge, die dem Jahresverbrauch von 90.000 österreichischen Durchschnittshaushalten entspricht. Die Bilanzerstellung für das Vorjahr ist noch im Gange und kann noch die eine oder andere Veränderung mit sich bringen. Die Aktionärinnen und Aktionäre dürfen sich jedenfalls auf ein positives Geschäftsergebnis freuen. Für alle die sich für Detailzahlen interessieren, bleibt es bis zur Veröffentlichung des Geschäftsberichtes am 20. Mai spannend.

Geldmarie: Welche Pläne/Aktivitäten sind für die WK Simonsfeld 2014 die Highlights?

WK Simonsfeld: In sechs Wochen übersiedeln wir (nach zehn Jahren in einem umgebauten Bauernhof) in ein modernes neues Firmengebäude, das energietechnisch neue Maßstäbe setzt. Unser Firmensitz in Ernstbrunn ist Niederösterreichs erstes gewerblich genutztes Plusenergiegebäude. Das heißt, dass in und auf dem Gebäude mehr Energie erzeugt als verbraucht wird. Der Energieverbrauch im Haus wurde sehr sparsam und effizient organisiert. Erneuerbare Energieformen -Wind, Wasser und Grundwasser- werden genutzt, sodass einem erwarteten Energiebedarf von 35.500 kWh eine Produktion von 47.300 kWh gegenüberstehen. Die Firmenzentrale der Windkraft Simonsfeld AG darf also in Zukunft von sich behaupten, ein Kraftwerk mit integriertem Bürobetrieb zu sein. :-))

Geldmarie: In größere Räumlichkeiten umzuziehen, ist derzeit in der Wachstumsbranche Ökoenergie üblich - auch die WK Simonsfeld bezieht bald ihr neues Zuhause. Welche Dimension hat die große Photovoltaikanlage auf dem Dach des Gebäudes?

WK Simonsfeld: Wir nutzen PV als fassadenintegriertes Element und auf der Dachfläche des Bürogebäudes. In Summe sind hier fast 50 kWp installiert. Wir werden diese Anlage schon bald erweitern und auf dem Dach des Lagergebäudes eine PV Anlage derselben Größe errichten. Angedacht ist auch eine teilweise Nutzung unseres Firmenareals zur Sonnenstromproduktion, sodass unser Firmenkraftwerk in Summe auf eine Jahresproduktion von 100.000 Kilowattstunden kommen wird.

Geldmarie: Die oekostrom AG war zuletzt im Stromvertrieb sehr erfolgreich und auch die W.E.B ist im Vorjahr (allerdings nur für Aktionäre) als Stromanbieter tätig. Gibt es seitens WK Simonsfeld Ambitionen, ebenfalls den Stromvertrieb einzusteigen?

WK Simonsfeld: Wir sind sehr ambitioniert was die Energiewende anbetrifft, glauben aber, dass man nicht jeden Berg selbst besteigen muss. Manchmal ist es besser, wenn man jemanden kennt, der einem erzählt wie es oben aussieht. Die Windkraft Simonsfeld AG wird den Berg Endkundenakquisition nicht selbst besteigen, sondern alternative Wege der Stromvermarktung mit Partnern beschreiten.

Geldmarie: Seit 1998 fließt für die WK Simonsfeld grüner Strom aus den Windrädern - wieviele Kraftwerke sind mittlerweile außerhalb der Förderung und ab welchem Strompreis könnte die WK Simonsfeld zukünftig ohne Förderungen (zumindest ausgeglichen) wirtschaften?

WK Simonsfeld: 97% unserer Stromproduktion erfolgt von Windkraftwerken welche in den gesetzlich geregelten Tarifsystemen abgerechnet werden. 3% unserer Stromproduktion wird über Ökostromhändler an Endkunden weiter vermarktet. Alle unsere Megawattanlagen -59 Windturbinen- produzieren im Rahmen des gesetzlichen Ökotarifmodells. Die Produktion unserer neun Kleinanlagen mit 600 kW und 660 KW wird mehr oder minder zu Marktpreisen verkauft. Die wirtschaftliche Grenze liegt -wie bei allen anderen Kraftwerksbetreibern auch- bei den Gestehungskosten die zur Erzeugung notwendig waren.

Geldmarie: Ihr Unternehmen erhielt im Februar 2014 von Umweltminister Andrä Rupprechter einen Preis für das Engagement in der Elektromobilität. 4 Elektroautos sind lt. Homepage derzeit im Einsatz - was angesichts der sehr eng beieinanderliegenden Kraftwerke der WK Simonsfeld ja durchaus den Einsatz solcher leider noch reichweitenarmen Fahrzeuge erlaubt. Beabsichtigt man derzeit, die E-Flotte weiter auszubauen bzw. welche Pläne gibt es zum Thema Elektrofahrzeuge seitens WK Simonsfeld?

WK Simonsfeld: Richtig: die Konzentration unserer Kraftwerksparks auf das Weinviertel bringt wesentliche logistische Vorteile in der Servisierung und technischen Betreuung. Unsere dem Firmensitz nächst gelegenen Windkraftwerke liegen keine zwei Kilometer entfernt, die Distanz zur am weitesten Anlage liegt bei 50 Kilometern - das sind ideale Einsatzweiten für unsere E-Mobile. Und ja, wir wollen unseren Fuhrpark so weit wie möglich auf strombetriebene Fahrzeuge umrüsten, weil wir überzeugt sind, dass wir aufgrund der Endlichkeit der Rohölreserven und mit Bedacht auf das Weltklima innovative Mobilitätsformen vorantreiben sollten. E-Cars sind eine solche zukunftsfähige Lösung. Wir werden diese Entwicklung nach Kräften fördern und in unserer Region mitgestalten.

Geldmarie: Die Windkraftwerke der WK Simonsfeld sind im Weinviertel und Umgebung sehr stark vertreten - was in Sachen "kurze Wege" ja sehr sinnvoll ist. Gibt es für zukünftige Projekte Probleme mit der noch neuen NÖ-Zonenverordnung?

WK Simonsfeld: Die Verordnung von Zonen für Windkraftwerke in Niederösterreich hat die verfügbaren Räume und damit den Radius unserer Projektentwicklung enger gezogen. Derzeit konzentrieren wir uns auf Projektstandorte in den Gemeinden mit denen wir schon seit langem Windkraftprojekte planen. Unsere Verankerung im Weinviertel ist der Schlüssel für neue Projekte in einigen Gemeinden, welche Gebiet innerhalb der Zonierung ausweisen. Gerade in den nächsten Wochen legen wir die vertraglichen Grundsteine für die Projekte der kommenden Jahre in unserer Region. Auf Jahre hinaus haben wir im Weinviertel noch genug zu tun. Wir beobachten aber auch die Entwicklung in anderen Regionen und sind mittelfristig auch offen für neue regionale Engagements.

Geldmarie: Aktien und Anleihen des Unternehmens waren bisweilen immer sehr gut nachgefragt. Sind derzeit weitere Kapitalmaßnahmen in der Pipeline?

WK Simonsfeld: Ja. Das kommende Jahr wird zum wachstumsstärksten unserer Firmengeschichte. Wir errichten mindestens 16 Windkraftwerke der Dreimegawattklasse mit einem Investitionsvolumen von mehr als 80 Millionen Euro. Als echtes Bürgerwindunternehmen von Schrot und Korn wollen wir einen maßgeblichen Teil des Fremdkapitals über Anleihen einwerben. Wir wollen zumindest einen der drei Windparks die wir errichten, ohne Bankkapital finanzieren. Das wird sicherlich eine spannende Herausforderung - wir werden auf die Leser der Geldmarie auf dem Laufenden halten.:-))

Geldmarie (blöd grinsend und händereibend): Das wird nicht billig:-).
Aktuell sucht gerade ein Anbieter von eines halb-automatischen Flugroboters für Inspektions- und Wartungsarbeiten via Crowdfunding nach Investoren. Die WK Simonsfeld ist der größte unabhängige Anbieter von technischen Dienstleistungen für den Betrieb von Windkraftanlagen. Sind solche Flugroboter für das Unternehmen interessant oder denkt man hier eher an den Verlust von Arbeitsplätzen bzw. Aufträgen?

WK Simonsfeld: Weder noch: Auch noch so detailierte Aufnahmen aus der Vogelperspektive können den erfahrenen Blick unserer Techniker nicht ersetzen. Flugroboter können zwar Aufnahmen von Rissen und Blitzeinschlägen an Rotorblättern liefern, sie geben aber keine Auskunft über die Beschaffenheit des Materials an der schadhaften Stelle und sagen nichts über Risstiefe und Reparierbarkeit aus. Das können letztlich nur erfahrene und geschulte Mitarbeiter beurteilen.

Geldmarie: Der jüngste UNO-Klimabericht bestätigt wieder den Ausbau der Alternativenergien. Konzentriert sich Ihr Unternehmen weiterhin primär auf Windkraft oder ist auch verstärkt an andere Varianten (z.B. Wasserkraft, Photovoltaik etc.) gedacht?

WK Simonsfeld: Windkraft ist unser Antrieb und bleibt unser Kerngeschäft. 99% unserer Produktion sind Windstrom, ein Prozent stammt aus Solarkraftwerken. Wir werden sicherlich noch das eine oder andere PV-Kraftwerk errichten, an dem deutlichen Schwerpunkt in unserem Kernsegment wird sich auf absehbare Zeit aber nichts ändern.
16 Jahre Erfahrung als Betreiber machen uns zu einem Urgestein in der österreichischen Windkraftbranche. Unser technisches Know how schätzen auch andere Betreiber von Windkraftwerken: Wir betreuen als technische Dienstleister mittlerweile mehr Fremdanlagen als eigene Windkraftwerke. Aktuell halten wir als Dienstleister 80 fremde Windturbinen im In- und Ausland in Schuss - Tendenz steigend.

Geldmarie: Herzlichen Dank für die ausführlichen Antworten an Wilfried Dimmel und die Windkraft Simonsfeld - einen glatten Umzug ins Sonnenkraftwerk und weiterhin viel Rückenwind zu wünschen!

Geldmarie-Linktipp:

Ad hoc-Meldung - April 2014
Zuletzt verändert: 03. 04. 2014, 16h19