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Die Geldmarie

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Ökostrombericht belastet Haushalte überproportional


Arbeiterkammer kritisiert steigende Ökostromkosten für Haushalte

Mit der Forderung nach Besteuerung von selbstproduziertem Strom aus mittelgroßen Photovoltaikanlagen hat sich die Arbeiterkammer ja 2014 schon selbst ein kleines Ei gelegt - eine breite Protestaktion konnte eine entsprechende Gesetzesvorlage gerade noch intelligent abändern. Die Kritik der AK an den für Privathaushalte stark steigenden Kosten für Ökostromförderung (Ökostrompauschale, Ökostromförderbeitrag) hat hingegen durchaus ihre Berechtigung - immerhin steigen die diesbezüglichen Kosten für die Privatkunden massiv. Trotzdem sollte man sich dem Thema nicht zu einseitig widmen...

103 nach 82 Euro Ökostromförderung pro Haushalt im Jahr 2015

Zahlte ein Durchschnittshaushalt (3.500 kWh Stromverbrauch) 2014 noch ca. 82 Euro für den Ausbau bzw. die Förderung von sauberen Strom, dürfen Herr und Frau Österreicher 2015 schon 103 Euro blechen. 2012 waren es noch bescheidene 40 Euro, 2013 noch ca. 65 Euro.

Die Lücke (Einnahmen minus Ausgaben) bei der Ökostromförderung beträgt 2015 lt. AK 800 Mio. Euro - über 40% davon bringen die Haushalte auf, welche allerdings nur ca. 25% des Stroms verbrauchen. Ein Ungleichgewicht, welches der Gesetzgeber in der Tat raschest beseitigen sollte.

Die fixe Ökostrompauschale wird gar von 11 auf 33 Euro angehoben - wer mehrere Zähler hat (z.B. Nachttarif, Wärmepumpentarif) darf ab 2015 noch deutlich mehr Grundkosten löhnen.

Ein guter Tipp der Arbeiterkammer: Haushalte, welche GIS-befreit sind haben Anspruch auf eine Deckelung der Ökostrom-Förderkosten und zahlen daher nur maximal 20 Euro pro Jahr. Entsprechende Anträge beim Gebühren Info Service (GIS) stellen - für Menschen mit geringem Einkommen macht das ob der steigenden Zuschläge durchaus schon Sinn!

Kosten für Ökostrom neu überdenken

Aktuell ist das Raunzen über die Ökostromförderung ein Raunzen auf hohem Niveau. Stark sinkende Energiepreise haben zumindest den Verbrauchspreis in Österreich bei fast allen Stromanbietern sinken lassen, und nur ein paar Anbieter (z.B. die EVN) haben den Grundpreis erhöht. Hinzu kommt auch endlich die Bereitschaft, den teuren Stromanbieter (zumeist der Lokalversorger) zu wechseln - da ist schon oft der eine oder andere Hunderter pro Jahr drin.

Im Vergleich zu Deutschland (das immerhin bis 2022 den Atomausstieg schaffen möchte) kostet das Kilowatt Strom im Schnitt noch immer 20-25% weniger - aber wir haben ja auch Riesenglück mit der schon vorhandenen Wasserkraft und sind in Sachen Energiewende deutlich stressfreier unterwegs.

Ob des billigen Stromimports (z.B. von den Windkraftwerken im Norden Deutschlands, von Kohlekraftwerken aber auch von Atomkraftwerken aus Tschechien) sind die höheren Fixkosten (Grundkosten, Ökostromförderungen) in Österreich noch kaum spürbar - Strom kostet in der Regel immer noch deutlich unter 20 Cent pro Kilowatt.

Wenn man allerdings ein paar Jahre weiterdenkt und bemerkt, dass in Österreich in den letzten Jahren eher der Stromhandel (wo noch Geld zu verdienen ist) wichtig wurde und die Stromproduktion und der Netzausbau stark vernachlässigt wurde, darf man sich schon ein wenig Sorgen machen...

Jedes Wasserkraftwerk ist mit Bürgerinitiativen verbunden und oft sind es sogar die Grünen, die neue Wasserkraftwerke in Österreich verhindern. Warum? Oft aus reinem Populismus! 25 Jahre Hainburg sind aktuell zu begehen - aber wäre ein Kraftwerk bei Hainburg wirklich eine Katastrophe gewesen? Zwentendorf o.k. - aber Hainburg hatte wohl auch andere Gründe...

Bevor die Grünen nun die Geldmarie fressen wollen: Natürlich ist das jetzt eine kleine Provokation - so manche Grüne vertreten da aber schon ganz andere Ansätze! So startet in Deutschland gerade der Anbieter Max Energy aus Augsburg den Tarif "Max Atomstrom", welcher "reine" Atomenergie aus der Schweiz zu Normalpreisen (kein Preisvorteil!) verspricht. Verkaufsargument: Kohlenstrom (wie derzeit sehr häufig, auch in Österreich) ist extrem umweltbelastend und die Herstellung von Photovoltaikanlagen ist zu energieintensiv. Bezüglich Entsorgung von Tonnen verstrahltem Atommüll ist keine Rede, Zielgruppe sind wohl "besonders modern denkende Grüne"...

Putin sitzt am Gashahn, die Importabhängigkeit Österreichs bei Energie (Strom, Öl, Gas) wird laufend größer, neue Wasserkraftwerke werden kaum gebaut, der Energieriese EON steigt demnächst gar aus Atom, Kohle und Gas aus - die Vernunft spricht somit wohl weiterhin klar für Ökostrom. Wiewohl der Umstieg auf Ökostrom ("die Energiewende") natürlich nicht billig ist.

Bisweilen hat Österreich hier aber kaum eine Rechnung bezahlt (Danke an die Deutschen, die derzeit unseren Strom billiger machen) - das sollte man nicht vergessen.

In der aktuellen AK-Aussendung fordert die AK nur eine "Reform der Ökostromförderung bereits 2015" - was angesichts der Überbelastung der Haushalte durchaus seine Berechtigung hat. Konkrete Maßnahmen wurden nicht genannt - irgendwer muss aber wohl zahlen bzw. verzichten...

Sehr wohl könnte man z.B. die Streichung von Förderungen größerer Photovoltaikanlagen diskutieren - ob der deutlich gefallenen Preise für Photovoltaikmodule können diese aktuell auch schon ohne Förderung Gewinne einbringen. Behördliche Erleichterungen bzw. Vorschriften könnten den noch sehr niedrigen Solarstromanteil massiv steigen lassen.

Alternativenergien, welche augenscheinlich nie wirklich marktfähig werden, sollte man in der Förderung gänzlich auslaufen lassen (manche Projekte mit Biomasse sind auch auf lange Sicht ein reiner Verlustbringer, Verträge sollten aber eingehalten werden).

Auch über die Höhe der Einspeistarfie für Photovoltaik oder Windstrom kann man wohl diskutieren - wichtig ist hier aber jedenfalls, dass die Tarife den Betreibern weiterhin kleine Gewinne zugestehen, sonst gibt es plötzlich (wie erst vor ein paar Jahren gehabt) plötzlich wieder Stillstand in Sachen Energiewende. Und den können wir uns a la longue dann wirklich nicht leisten.

Geldmarie-Linktipps:

Ad hoc-Meldung - Dezember 2014
Zuletzt verändert: 02. 12. 2014, 14h01