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Die Geldmarie

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Stromverbrauch Österreich im Winter


Strommix im Winter in Österreich deutlich fossiler

Der Stromverbrauch in Österreich zieht weiter an - insbesondere im Winter laufen viele Kraftwerke auf Hochtouren und der heimische Strommix sieht dann an den meisten Tagen nicht mehr so fein aus wie im Frühjahr oder im Sommer.

Die Geldmarie hat sich auf den Serviceseiten der APG (Austrian Power Grid, betreibt das überregionale Stromnetz in Österreich) einmal umgesehen - dort kann man sich nämlich wunderbar und aktuell ansehen, welcher Strommix gerade im heimischen Netz fließt. Und das sah z.B. am 21.12.2016 von 13.45h bis 14.00h im Schnitt so aus:

Gas und Wasser im Winter wichtig

An richtigen Wintertagen (auch wenn es im Westen gerade überdurchschnittlich warm ist, dafür ist der bevölkerungsreiche Osten eher unterkühlt) beträgt die Ist- Last (Leistung) in Österreich untertags üblicherweise 10.000 bis 11.000 Megawatt (MW). Am späten Abend bis in die frühen Morgenstunden sinkt der Verbrauch deutlich, auch am Wochenende (Samstag und Sonntag) wird ca. 20-25% weniger Strom verbraucht als werktags zwischen 7 und 19 Uhr.

Gerade im Winter sieht man, wie deutlich man in der Stromproduktion immer noch vom Gas abhängig ist: Von insgesamt 10.505 MW Last (13.45h-14.00h) entfielen immerhin 2.653 KW auf Gas. Erst dahinter dann Österreichs Stromquelle Nr. 1 (übers Jahr gesehen): Lauf- und Schwellwasser kommen auf 1.689 MW - derzeit herrscht in den heimischen Flüssen und Bächen in der Regel Niederwasser.

Die ständig schwankende benötigte Strommenge wird im Winter auch sehr gerne und oft mit Strom aus Pumpspeicherkraftwerken geregelt - mit 356 MW war aber am Nachmittag gerade kein großer Strommangel vorhanden - wenn's rasch gehen muss, liefern Pumpspeicherkraftwerke schon auch einmal ein paar tausend Megawatt... Der Strombedarf aus diversen Quellen ändert sich oft im Minutentakt massiv!

Vereinzelt wird im Winter auch noch mit Kohle Strom erzeugt - aktuell immerhin 479 MW, die da recht konstant ins Netz fließen. Auch Speicherkraftwerke sind im Winter sehr begehrt und können Spitzen rasch und massiv ausgleichen - mit 230 MW ist das aber derzeit eher ein Plätschern aus den Speichern. Sowohl Pumpspeicher als klassische Speicher sind in Sachen Stromerzeugung in Österreich unentbehrlich und ein großer Joker der Alpenrepublik.

Mit dem Wind sieht es 2016 generell eher schwach aus, auch die aktuellen 247 MW sind für einen Wintertag deutlich zu wenig. Gäbe es mehr Wind, könnte man z.B. die Stromproduktion aus Gas deutlich zurückdrehen. An guten Tagen sind aber hier schon 2.000 bis 2.500 MW zu erzielen - ein weiterer Ausbau der Windkraft stellt zwar die Netzbetreiber vor neue Aufgaben, macht aber in Sachen Energiebilanz (und auch kaufmännisch) großen Sinn.

An Wintertagen auch sehr schwach: Solarstrom (Photovoltaikstrom) mit 131 MW - der nebelverhangene Osten trägt hier natürlich zu schwachen Ergebnissen bei, im Frühling und im Sommer sind das an sonnigen Tagen aber oft schon über 500 MW (Tendenz steigend), die mithelfen, den hohen Tagesbedarf beim Strom abzudecken.

Auch nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich: Strom aus Biomasse - 316 MW sind es gerade, die kommen dafür sehr konstant (Tag und Nacht) in den Stromkreislauf. Ein großer Ausbau (wie z.B. in Deutschland, wo teilweise über 10% Strom aus Biomasse gemacht werden) scheint aber in Österreich ob Vorhandensein von Speicherkraftwerken eher nicht in Sicht - die Politik streitet gerade über Förderkürzungen bei Biomasse...

1.417 MW müssen lt. APG-Statistik erst zugeordnet werden, der Importsaldo (Stromimporte minus Stromexporte) lag bei (derzeit geringen) 528 MW - in Summe importieren wir seit vielen Jahren mehr Strom als wir exportieren.

623 MW kamen davon gerade aus Deutschland - im Normalfall sind es deutlich größere Mengen aus Deutschland, nur am Morgen und am Abend (in den Verbrauchsspitzen) können die Deutschen weniger Strom bzw. gar keinen Strom exportieren und erhalten ab und an sogar ein paar MW aus Österreich. 1.004 MW kamen aus Tschechien - hier sind Stromimporte zwischen 1.000 und 2.000 MW fast über das ganze Jahr stabiler Standard. Und ein bisserl Atomstrom ist da im Mix natürlich auch drin...

Der Strom aus dem Norden hat natürlich auch kein Mascherl, sieht man sich aber die dortigen Hauptquellen an, schaut das nicht so nett aus: Deutschland produziert seinen Strom hauptsächlich aus Braun- und Steinkohle (auch noch ein wenig Atomstrom) - nur wenn viel Wind geht, kommt dieser Überschussstrom aus dem Norden Deutschlands dann oft auch nach Österreich, wo man auch gerne damit billig die Pumpspeicher füllt, welche bei höheren Strompreisen dann wieder geleert werden.

Ab 2018 droht Österreich hier aber ein künstlicher Stromengpass: Polen und Tschechen beklagen eine Überlastung ihrer Leitungen, auch die Deutschen wollen wohl den oft hoch subventionierten Strom nicht mehr billig nach Österreich liefern. Das könnte sich (abseits von derzeit schon sichtbaren Preiserhöhungen im Stromhandel) dann für Österreich durchaus negativ auswirken - und auch die Länder Schweiz, Italien, Slowenien und Ungarn (welche mehr Strom aus Österreich beziehen als liefern) werden dann wohl weniger Strom bekommen bzw. mehr dafür bezahlen müssen.

Auch für 2017 ist wohl einerseits wieder ein Rekordverbrauch beim Strom zu erwarten, andererseits werden die Stromimporte sowohl 2016 und 2017 wohl weiter ansteigen. Spätestens 2018 (kommt der künstliche Stromengpass?) wird es dann sehr spannend...höhere Strompreise als derzeit gegeben sind ziemlich wahrscheinlich.

Die gute Nachricht (für die Endkunden): Die Ökostromförderung für den Durchschnitthaushalt wird 2017 (3.500 kWh Jahresverbrauch) günstiger und fällt nach 120 Euro im Jahr 2016 auf knapp unter 100 Euro. Für den Ausbau der Alternativen ist das allerdings keine wirklich gute Nachricht...

Die o.a. Zahlen sind natürlich nur eine Momentaufnahme, welche sich rasch verändern kann - aktuelle Zahlen sind bei der APG zu finden:

Geldmarie-Linktipp:

Ad hoc-Meldung - Dezember 2016
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Zuletzt verändert: 21. 12. 2016, 15h47