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Stromproduktion Österreich im Winter


Österreichs Strom im Winter: Speicherkraftwerke zahlen sich aus

Es ist kalt geworden in Österreich - kein Wunder, der kalendarische Winterbeginn (21.12) steht vor der Türe und nach dem fast üblichen Weihnachtstauwetter sind noch zumindest 2 resche Wintermonate möglich. Zeit, sich einmal anzusehen, wie sich die heimische Stromproduktion im Winter darstellt. Dazu werfen wir einen Blick auf die wunderbaren Statistiken des heimischen Übertragungsnetzbetreibers APG (Austrian Power Grid AG), die zeigen, wie man aktuell dafür sorgt, dass genug Strom in den dicken und dünnen Leitungen fließt...

Strom im Winter: Wasser, Speicher, Gas

Fast 10.000 Megawatt beträgt die aktuelle Last im heimischen Netz untertags - das ist im Winter (an Arbeitstagen) eine ziemlich durchschnittliche Last. Während man in den späten Abendstunden und in der tiefen Nacht noch mit 6.500 bis 7.500 Megawatt gut auskommt, zieht der Stromverbrauch dann ab 5h morgens kräftig an um dann zwischen 8h und 19h auf 10.000 Megawatt (oder mehr, wenn es noch kälter ist) anzusteigen. Kleine Spitzen im Verbrauch sind rund um 12h (Mittagessen!) und rund um 18h (Abendessen, Duschen etc.) üblich.

Die Zusammensetzung der Stromproduktion im Winter ist durchaus interessant - und auch innerhalb des Tages sehr wechselhaft. Das hängt ganz stark davon ab, ob in Deutschland gerade der Wind kräftig weht oder nicht (im Sommer spielt diesbezüglich auch die Photovoltaik eine größere Rolle). Gibt es in Germany keinen oder wenig Wind, wird Österreich zum Stromexporteur - aber nur in den starken Verbrauchsstunden untertags.

In den Stunden mit wenig Strombedarf (= Stromüberschüsse in Deutschland, oft aber auch in Österreich) holt man sich günstigen Strom und befüllt damit günstig die Pumpspeicherkraftwerke des Landes. Ist der Strompreis dann untertags deutlich höher (ungefähr doppelt so hoch sollte er schon sein, dass sich das Hochpumpen auch lohnt) und wird Strom gebraucht, so lassen die Pumpspeicher (sowie auch die klassischen Speicherkraftwerke) dann auch wieder Wasser runter. Geniales Prinzip - wiewohl hier rund 50% Strom verlustig gehen. Aber die rentablen 100%-Stromspeicher sind halt leider noch nicht wirklich marktreif...

Ein kurzer Blick auf die aktuelle Stromherkunft in Österreich: Rund 10.000 Megawatt werden gegen 11.00h am Vormittag gerade erzeugt. 2.700 davon entfallen auf die wichtigste Konstante der Stromerzeugung in Austria - Lauf- und Schwellwasser. Das ist eine sehr wichtige, das gut berechenbare und konstante Größe in der Stromerzeugung - im Winter ist allerdings die Wasserführung (wie derzeit) in Österreichs Flüssen und Bächen eher unterdurchschnittlich.

Mit rund 2.500 Megawatt Strom aus Gas zeigt sich im Winter die Wichtigkeit von Gaskraftwerken zur Stromerzeugung sehr deutlich - hier kann man sehr flexibel auf Schwankungen im Netz reagieren und ruckzuck Strom produzieren bzw. auch die Produktion reduzieren. Zum Ausgleich von Verbrauchsspitzen oder auch Erzeugungsschwankungen (Wind!) ist Gas wohl noch viele Jahre ziemlich unverzichtbar.

Ab 6h sind in Österreich aktuell (kalt und wenig Windstrom in Deutschland) auch die Pumpspeicher sehr wichtig: In der Nacht werden diese günstig dotiert, sobald der Preis passt bzw. der Bedarf gegeben ist, wird dann kräftig produziert: Fast 2.100 MW sind es um 11 Uhr. Ein durchaus hoher Wert, der auch daraus resultiert, dass man auf den Strom-Spotmärkten heute rund 60 Euro pro MWh erzielt - das ist sogar mehr, als die Endkunden zahlen müssen. Normalerweise liegen diese Preise an Werktagen bei 30 bis 40 Euro...

Auch die Speicherkraftwerke tragen derzeit einen wichtigen Teil zur Stromerzeugung bei: Mehr als 1.100 MW sind es um die Mittagszeit.

Der Wind (der zuletzt sehr viel zum Strommix beitrug und in Österreich 2017 wohl auf rund 8% der Stromerzeugung kommt) zeigt sich heute wieder launisch: Am frühen Vormittag waren es noch rund 1.200 MW (in etwa ein Durchschnittswert), das ging dann aber runter auf rund 700 MW.

Fast 500 MW werden aktuell auch aus Kohle produziert - an kalten Tagen kommt Kohle in Österreich noch immer gut und gerne mehr als 5% der Stromerzeugung. Die Biomasse-Stromerzeugung liegt aktuell bei ca. 300 MW - ein absolut konstanter Wert, der über 24 Stunden und 365 Tage ziemlich ident bleibt. Strom aus Photovoltaik (Solarstrom) bleibt im Winter leider ziemlich unbedeutend - viel mehr als 100 MW werden es auch zur sonnigen Mittagszeit nicht werden, insgesamt kommt der Solarstrom im Gesamtjahr auch nur auf bescheidene (wiewohl auch kommerziell sinnvoll ausbaubare) 2 Prozent der Gesamterzeugung. Ähnlich unbedeutend -aber zumindest eine konstante Größe, auf die das Gesamtkunstwerk Strom aufbauen kann- die Stromerzeugung durch Müllverbrennung, die bei 100 MW liegt.

Import von Billigstrom erhöht Nettostromimporte

Keine Frage: Natürlich klingt es gar nicht schön, wenn Österreich auch 2017 rund 10 bis 15% der Strommenge importiert. Die Tendenz war hier in den letzten Jahren deutlich steigend, insbesondere Deutschland versorgt uns mit viel billigem (und dort massiv und teuer geförderten) Überschussstrom, was die Stromrechnungen für Industrie und Privatkunden in Österreich in den letzten Jahren ziemlich verschont hat.

Umweltschützer bzw. Vertreter von erneuerbaren Energieträgern haben mit den hohen Nettostromimporten naturgemäß keine Freude - denn billiger Strom aus den Nachbarländern (primär Deutschland und Tschechien) ist nicht immer sauberer Strom (sieht man sich den Strommix in Deutschland und Tschechien an, so wird einem übel) und ruiniert auch hierzulande so manches Geschäftsmodell von nicht mehr geförderten Ökostromproduzenten.

Sich in den verbrauchsschwachen Zeiten günstigen Strom via Pumpspeicherkraftwerke zu holen und diesen dann in (teuren) Spitzenzeiten runterzulassen ist aber natürlich nach wie vor eine (wirtschaftlich) sinnvolle Praxis, die erst dann obsolet wird, wenn es sinnvollere/kostengünstigere/effizientere Speichermöglichkeiten gibt.

Wiewohl es natürlich legitim ist, die zweifelhafte Herkunft dieses Billigstromes zu kritisieren - solange Nachbar Deutschland den Ausstieg aus der (zu billigen und auch noch geförderten) Dreckschleuder Kohle nicht schafft, wird Österreich (trotz kommendem künstlichen Stromengpass an der Grenze) sich weiter diesen billigen Überschussstrom krallen und sich damit die Speicher günstig anfüllen.

Das ist wohl keine Frage von Jahren - vielmehr von Jahrzehnten. Trotzdem sollte man auch in Österreich nicht auf den Ausbau der Erneuerbaren vergessen - früher oder später wird Strom nämlich deutlich teurer werden, wer da auf eine kräftige Eigenproduktion gesetzt hat (deren Ausbau natürlich Geld kostet und so manche Umweltfrage aufwirft), ist dann Sieger.

Finden Sie bei den Linktipps die interessanten Statistiken (nur leicht zeitverzögert) zu Stromverbrauch, Stromerzeugung und Stromimport- bzw. Stromexport in Österreich.

Geldmarie-Linktipps:

Ad hoc-Meldung - Dezember 2017
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Zuletzt verändert: 19. 12. 2017, 11h25