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Die Geldmarie

Das unabhängige Finanzportal

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Arbeitslosengeld


Grundwissen über das Arbeitslosengeld in Österreich

Die Zeiten, wo Menschen mit 15 in eine Lehre eintraten und diese dann (nach mehr oder minder nettem Arbeitsleben) mit 55 als Frühpensionist verließen, sind wohl für immer vorbei. Größere Firmen, deren Arbeitnehmer durchschnittlich mehr als 10 Jahre im Hause verbringen, sind eine absolute Seltenheit. Auch der Bund, die Länder und Gemeinden sowie staatsnahe Betriebe werden nach und nach schlanker und bieten kaum mehr lebenslange Beschäftigungsgarantie. Leiharbeit boomt und sogar das in Österreich (und natürlich auch in anderen Ländern) so beliebte Parteibuch versagt nach und nach den Dienst.

Österreich kann zwar im internationalen Vergleich noch immer mit Stolz auf eine sehr niedrige Arbeitslosenrate hinweisen - und doch gibt es jede Menge Tendenzen und Hinweise, daß diese früher oder später in den zweistelligen Prozentbereich geraten wird:

  • Der Staat (und die Politik) zieht sich immer mehr aus der Rolle des Arbeitgebers bzw. Arbeitsvermittlers zurück.
  • Die Privatwirtschaft stöhnt unter den hohen Lohnnebenkosten
  • Personal wird abgebaut und nur absolut notwendige Stellen werden nachbesetzt
  • Sozialfälle in Firmen werden nicht mehr "mitgeschleppt"
  • Kurzarbeit (geringfügige Beschäftigung) wird häufiger verwendet
  • Angestellte werden in die Selbständigkeit entlassen ("freie Dienstverträge")
  • Leiharbeit boomt
  • Viele Arbeitsplätze wurden durch moderne EDV wegrationalisiert
  • Produktionsbetriebe wandern in Billiglohnländer ab, wo auch die Rohstoffe teilweise günstiger sind
  • Ältere Arbeitnehmer werden den Betrieben zu teuer
  • Die Lebensarbeitsdauer nimmt aufgrund der Pensionsbestimmungen langsam zu
  • Jüngere Arbeitnehmer entsprechen oft nicht den hohen Ansprüchen des Arbeitsmarktes - qualifiziertes Personal wird weniger
  • Jüngere Frauen gehen nunmehr fast alle arbeiten - früher war der Frauenanteil am Arbeitsmarkt wesentlich geringer
  • etceteraetcetera..

Man könnte diese Liste beliebig lange erweitern. Der Trend zur höheren Arbeitslosigkeit wird wohl (lang- und mittelfristig gesehen) anhalten.

Sie sind arbeitslos?

"Hockenstad, es tuad uns lahd, wir sengs ned gern waun ana obezaht" sang schon vor Jahrzehnten (ironisch) der Kabarettist Lukas Resetarits.
Verzweifeln Sie bitte keinesfalls am Terminus "Arbeitslos" oder schon gar nicht am unnett gewählten Begriff der "Notstandshilfe"!
Sie sind nicht alleine und die Arbeitslosigkeit ist schon wohl mehr als der Hälfte der unselbständigen Bevölkerung "passiert". Und für die meisten ist diese Zeit nur eine kleine Verschnaufpause aus dem Arbeitsprozess. Manche schnaufen halt ein wenig länger aus und/oder orientieren sich um...aber auch das kann durchaus seine Berechtigung haben.

Wie dem auch immer ist - finden Sie folgend:

Wissenswertes zum Arbeitslosengeld

Was ist das Arbeitslosengeld?

Das Arbeitslosengeld ist eine finanzielle Unterstützung für arbeitslose Bürger und Bürgerinnen, um die finanzielle Lebensgrundlage während der Zeit der Arbeitssuche zu sichern.

Wer hat Anspruch auf Arbeitslosengeld?

Ein Anspruch auf ALG (Arbeitslosengeld) hat jede Person, die die Voraussetzungen der Arbeitsfähigkeit, der Arbeitswilligkeit sowie der Arbeitslosigkeit erfüllt. Dies leitet sich u.a. davon ab, dass sich der oder die Arbeitssuchende dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellt und eine zumutbare Beschäftigung auch annimmt. Auch der gleichzeitige Bezug von ALG und Kinderbetreuungsgeld ist möglich. Hier gibt es aber den Anspruch auf ALG nur für Personen, welche dem Arbeitsmarkt ohne wesentliche Einschränkung (=eine sehr dehnbare Konstruktion, Anmerkung der Geldmarie) zur Verfügung stehen. Bei Bezug von Kinderbetreuungsgeld ist dies nur der Fall, wenn das Kind / die Kinder nachweislich durch andere geeignete Personen im Familienkreis oder außerhalb (Kinderkrippen, Kindergärten, Tagesmutter) betreut wird / werden.

Darüber hinaus muss der Arbeitslosigkeit eine Mindestdauer an arbeitslosenversicherungspflichtiger Beschäftigung vorangegangen sein bzw. darf die Bezugsdauer des ALG nicht erschöpft sein:

  • Bei der erstmaligen Beanspruchung von Arbeitslosengeld müssen mindesten 52 Wochen an arbeitslosenversicherungspflichtiger (ein wunderbares Wort, aber so steht es geschrieben) Beschäftigung innerhalb der letzten 2 Jahre vor Geltendmachung des Anspruches gegeben sein
  • Bei mehrmaligen Beanspruchungen des Arbeitslosengeldes muss eine Dauer von mindestens 28 Wochen an arbeitslosenversicherungspflichtiger Beschäftigung innerhalb des letzten Jahres vor der Geltungmachung des Anspruches vorliegen
  • Bis zum 25. Lebensjahr reicht bei einer erstmaligen Geltungsmachung des ALG-Anspruches das Vorliegen von 26 Wochen arbeitslosenversicherungspflichtiger Beschäftigung innerhalb der letzten 12 Monate aus.

Wie hoch ist das Arbeitslosengeld?

Das Arbeitslosengeld kann aus 3 Komponenten bestehen: Grundbetrag, mögliche Familienzuschläge sowie möglichem Ergänzungsbeitrag.

Der Grundbetrag richtet sich bei Geltendmachung von 1.1 bis 30.6 eines Jahres nach der beim Hauptverband der Österrreichischen Sozialversicherungsträger gespeicherten Jahresbemessungsgrundlage aus arbeitslosenversicherungspflichtigem Entgelt des vorletzten Jahres. Wenn Sie zwischen dem 1.7 und 31.12 eines Jahres Arbeitslosengeld beantragen, richtet sich der Grundbetrag des ALG nach der Jahresbeitragsgrundlage des letzten Kalenderjahres.

Liegen keine Jahresbeitragsgrundlagen des letzten oder vorletzten Kalenderjahres vor, so wird die letzte vorliegende Jahresbeitragsgrundlage eines vorhergehenden Kalenderjahres verwendet. Wenn überhaupt noch keine Jahresbeitragsgrundlage vorhanden ist, so richtet sich die Festsetzung des Grundbetrages nach dem Entgelt der letzten sechs Kalendermonate vor der Geltendmachung.

Der festgestellte Bruttobemessungsbetrag wird dann in einen Nettowert umgerechnet. Hiebei werden die zum Zeitpunkt der Geltendmachung für einen alleinstehenden Angestellten maßgeblichen sozialen Abgaben und die Einkommensteuer (unter Berücksichtigung nicht antragspflichtiger Freibeträge) abgezogen. Der Grundbetrag des ALG ist ein Tagsatz von 55% des ermittelten täglichen Nettoeinkommens.

Dazu kommen noch Familienzuschläge für Kinder, zu deren Unterhalt der Antragsteller wesentlich beiträgt und für die ein Anspruch auf Familienbeihilfe besteht. Für den/die EhepartnerIn (oder Lebensgefährten) wird dieser Zuschlag nur schlagend, wenn auch für minderjährige Kinder ein Familienzuschlag zusteht. Mit minderjährigen Kindern werden hier auch volljährige Kinder gleichgestellt, für die Familienbeihilfe wegen Behinderung bezogen wird.

Der Ergänzungbeitrag ist eine Aufstockung des ALG (Grundbetrag sowie Familienzuschläge) auf den Ausgleichszulagenrichtsatz. Details hiezu am besten beim zuständigen Betreuer erfragen bzw. auf der Homepage des AMS (Link unten) nachlesen - diese Zahlen sind variabel, werden demnach hier aus Gründen der Aktualität nicht angegeben.

Wie lange wird das Arbeitslosengeld ausbezahlt?

  • Grundsätzlich wird das ALG für 20 Wochen zuerkannt.
  • 30 Wochen wird es gewährt, wenn in den letzten 5 Jahren arbeitslosenversicherungspflichige Beschäftigungen von 156 Wochen oder mehr vorliegen.
  • Wenn man zum Zeitpunkt der Geltendmachung des Anspruches auf ALG schon das 40. Lebensjahr vollendet hat und während der letzten 10 Jahre 312 Wochen (oder mehr) arbeitslosenversicherungspflichtige Tätigkeiten verrichtet hat, erhöht sich der Anspruch auf 39 Wochen.
  • Menschen ab 50 Lebensjahren, die in den letzten 15 Jahren 468 Wochen (oder mehr) arbeitslosenversicherte Beschäftigungen vollbracht haben, haben gar 52 Wochen Anspruch auf ALG.
  • Bei Schulungsmaßnahmen im Rahmen einer Arbeitsstiftung verlängert sich die Bezugsdauer um maximal 3 bis 4 Jahre.

Wie wird das Arbeitslosengeld beantragt?

Nur via persönlicher Vorsprache beim zuständigen AMS.

Wenn man sich vor Eintritt der Arbeitslosigkeit schon bei der Stellensuche des AMS anmeldet, muss die persönliche Vorsprache zur Beantragung des ALG nicht sofort nach Ende des Beschäftigungsverhältnisses erfolgen. In solchen Fällen hat man bis 7 Tage (nach Eintritt der Arbeitslosigkeit) Zeit, die frühestmögliche Zuerkennung einer Leistung aus der Arbeitslosenversicherung (=ALG) zu beantragen. Auch verhindert man so Lücken in der Kranken- und Pensionsversicherung.
Diese vorzeitige Meldung ist also durchaus ratsam - und kann telefonisch, postalisch, via Fax oder auch via Internet beim AMS erforgen. Nach Erhalt der Meldung wird man dann vom AMS kontaktiert.

Weniger ideal ist es, wenn man vor Eintritt der Arbeitslosigkeit keine Meldung zur Stellensuche übermittelt. Denn hier muss eine persönliche Vorsprache beim AMS spätestens am 1. Tag der Arbeitslosigkeit bei der zuständigen AMS-Geschäftsstelle erfolgen. Wenn Sie diese Frist versäumen: Pech gehabt.
Die Geldmarie empfiehlt hier: unbedingt noch vor dem Eintritt der Arbeitslosigkeit mit dem AMS Kontakt aufnehmen - meistens hat man ja sowieso noch einige Tage oder Wochen Kündigungsfrist beim alten Arbeitgeber.

Bei Zuerkennung des ALG erhält man dann eine Mitteilung - bei Ablehnung des Antrags einen Bescheid.

Welche Dokumente müssen Sie mitbringen?

Grundsätzlich sollten beim Erstgespräch Meldezettel, E-Card, Arbeitsbescheinigung (wenn schon vorhanden) ausreichen.

Darüber hinaus können (je nach Gesprächsthema oder Antrag ganz individuell) noch folgende weitere Unterlagen gefragt sein (Auswahl):

  • Geburtsurkunde
  • Heiratsurkunde
  • Scheidungsdekret
  • Promotionsurkunde
  • Reisepass oder Staatsbürgerschaftsnachweis

Erfragen Sie im Vorfeld eines Besuches beim AMS-Betreuer, was Sie wirklich mitnehmen müssen. Es wäre sicher lästig, wenn Sie wegen dem Papierkram einen weiteren Besuch machen müssen.

Wann und wie wird das Arbeitslosengeld ausbezahlt

Das ALG wird monatlich im Nachhinein ausbezahlt (ca. um den 8ten des Monats) - eine Überweisung auf das Bankkonto macht sicher Sinn.

Was passiert nach dem Ablauf des Arbeitslosengeldes?

Nach dem Ende des Bezuges kann die Notstandshilfe beantragt werden.

Geldmarie-Tipps:

  • Sie können während dem Bezug von ALG auch einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen (im Rahmen der Geringfügigkeitsgrenze).
  • Wenn Sie krank sind, informieren Sie das AMS davon - ab dem 4. Tag der Krankschreibung übernimmt die zuständige Krankenkassa den Tagsatz und Ihre Anspruchsdauer bezüglich ALG verlängert sich um die Tage Ihres Krankenstandes. Dann sofort nach der Gesundung bei der Gebietskrankenkasse das Krankengeld beantragen und unbedingt immer sofort nach Beendigung des Krankenstandes beim Betreuer melden. Im Krankenstand kann man übrigens via AMS nicht vermittelt werden.
  • Auslandsaufenthalte melden Sie unbedingt dem Betreuer, damit Sie dort auch krankenversichert sind. Für die Tage des Auslandsaufenthaltes bekommen Sie kein ALG (die Tage werden aber Ihrem Anspruch hintangehängt).
  • Melden Sie Änderungen Ihres Wohnortes umgehend dem AMS.
  • Melden Sie die Aufnahme einer neuen Arbeit umgehend dem AMS.
  • Kontrollmeldetermine beim AMS unbedingt einhalten - notfalls (wenn keine persönliche Vorsprache möglich ist) den Betreuer anrufen!
  • Bei Selbstkündigung oder fristloser Entlassung erhält man in den ersten 4 Wochen nach Beendigung des Dienstverhältnisses kein ALG. Die Dauer des Anspruches (siehe oben) wird dadurch aber nicht beeinflusst.
  • Keine Sorge: Während der Zeit des ALG-Bezuges sind Sie krankenversichert.
  • Sie haben Anspruch auf Arbeitslosengeld und sind kein Bittsteller! Ihr Betreuer ist gut und teuer ausgebildet und sollte Ihr Partner bei der Arbeitsplatzsuche sein. Wenn das Verhältnis zwischen Ihnen und Betreuer nicht stimmt, urgieren Sie einen Betreuerwechsel!

Geldmarie-Linktipps:

Zuletzt verändert: 19. 10. 2018, 15h45