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Die Geldmarie

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Die Zukunftsvorsorge


Was kann die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge?

Im Jahre 2003 ging durch die damals durchaus boomende Pensionsvorsorgelandschaft Österreichs ein gewaltiger Ruck: Ein neues, staatlich verordnetes, Produkt war geboren: Die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge. Diese löste ein absolut unattraktives Produkt ab und sorgte in Folge in den Banken und Versicherungen für jahrelange Zuwachsraten im Kapitalversicherungssegment.

Per Ende 2018 gab es 1,2 Mio. Verträge (Tendenz fallend) einer Zukunftsvorsorge mit einem jährlichen Prämienvolumen von ca. 800 Mio. Euro - die Tendenz bei den laufenden Prämien sowie auch bei der Vertragsanzahl ist allerdings leider schon sinkend: Finanzkrise und Politik hatten die Zukunftsvorsorge ziemlich in die Krise gerissen bzw. geredet und so mancher Versicherungsnehmer machte schon von der vorzeitigen Kündigungsmöglichkeit nach 10 Jahren Gebrauch. Auch wurde viele Verträge prämienfrei gestellt - immerhin ca. schon mehr als ein Viertel aller Verträge werden nicht mehr bespart...

Was war anfangs so toll an diesem Produkt, welches mit unterschiedlichen Produktnamen ("Bonuspension", "staatliche Vorsorge", "Prämienpension" etc.) für ziemliche Furore bei den Konsumenten sorgte?

Und warum ging die Begeisterung für die Zukunftsvorsorge in den Jahren nach der Finanzkrise deutlich zurück? Lesen Sie (untenstehend) mehr darüber.

Die Geldmarie hat für Sie die wesentlichen Informationen zur Zukunftsvorsorge zusammengestellt. Bitte beachten Sie, dass sich die Produkte bei Banken und Versicherungen marginal unterscheiden können - die grundsätzlichen Produkteigenschaften sollten jedenfalls gleich sein.

Produktinformation Zukunftsvorsorge

  • Staatliche Prämie Zusammensetzung: 2,75% fix + 1,5% bis 4% variabel (entspricht der Bausparprämie) - diese Halbierung gilt seit 2012
  • Staatliche Prämie 2019: 4,25% auf die Einzahlungen im Jahr 2019 (nicht aber auf das schon vorhandene Kapital!)
  • Maximal geförderte Einzahlung 2019: 2.875,18 oder 239,60 Euro monatlich, maximale Förderung 2019: 122,19 Euro.
  • Veranlagung (gilt ab 2010): 70% in Anleihen/Deckungsstock, 30% in Aktien (zumeist der Wiener Börse) Versicherungsnehmer über 45 Jahre: Aktienanteil 25%, Versicherungsnehmer über 55 Jahre: Aktienanteil 15%.
  • Veranlagung für Verträge ab 1.8.2013: Aktienanteil für Versicherungsnehmer unter 50 Jahren 15 bis 60%, über 50 Jahren: 5-50%. Ein Wechsel in die Zukunftsvorsorge Neu (Variante 2013 und Folgejahre) ist für Altverträge nach 10 Jahren möglich!
  • Veranlagung Aktienteil: Bei Altverträgen zumeist via Fonds an der Wiener Börse, bei Neuverträgen ab 1.8.2013 (bzw. bei Wechsel in die Zukunftsvorsorge Neu) müssen nur noch 60% des Aktienanteils in kapitalschwache Börsen (also Wien...) investiert werden, die restlichen 40 Prozent können frei investiert werden.
  • Sicherheit: Kapitalgarantie bei Einhaltung der Mindestprämienzahldauer bei Inanspruchnahme der Pensionszahlung (10 Jahre ist seit 2012 minimale Einlagedauer) - zumeist keine Kapitalgarantie bei Kapitalentnahme oder Rückkauf.
  • Sicherstellung für Kredit: Ungeeignet - staatliche Förderung & Veranlagung machen eine Besicherungsvariante unmöglich.
  • Rückkauf: War ursprünglich nicht vorgesehen - nach zumindest 10 Jahren ist ein Rückkauf nunmehr möglich. Konsequenzen: Die halben staatlichen Förderungen müssen zurückgezahlt werden, die Gewinne mit der KEST nachversteuert werden und die Kapitalgarantie geht in der Regel dann verlustig
  • Zahlung: Laufende Prämienzahlung (monatlich oder jährlich)
  • Zuzahlung/Reduktion/Prämienfreistellung: Zuzahlung auf die maximale Jahresprämie wird zumeist am Jahresende angeboten, Reduktion oder Prämienfreistellung nach Mindestlaufzeiten flexibel möglich. Bei den meisten Produkten ist nunmehr auch schon eine laufende Anpassung nach oben oder unten möglich - einfach kurz nachfragen!
  • Veranlagung: Prämien und staatliche Prämien werden direkt in Fonds veranlagt (Kostenvorteil!)
  • Steuerliche Komponenten: Keine Versicherungssteuer, keine KESt, keine Einkommensteuerbelastung bei der Rentenauszahlung
  • Laufzeit: Prämienzahlung bis voraussichtliches Pensionsalter von 65 (bei Änderungen nach oben dann entsprechend länger), Pensionsbezug frühestens nach 10 Jahren Laufzeit bzw. ab Bezug einer gesetzlichen Alterspension (Pensionsantrittsalter) möglich.
  • Abschlussalter: 0 bis 55 Jahre (also auch schon für Babys), Sozialversicherungsnummer in Österreich ist Voraussetzung
  • Pensionszahlungsdauer: Bis zum Ableben.
  • Pensionshöhe: Richtet sich nach dem kapitalisierten Wert zum Antritt der Privatpension. Diese ist jährlich gewinnberechtigt, sollte also höher werden
  • Ableben vor Pensionsantritt: Die gesetzlichen Erben erhalten das angesparte Fondsguthaben, mindestens aber die einbezahlten Prämien plus staatlicher Förderung. Die Erben können aber auch den Vertrag selbst weiterführen - eine Kapitalentnahme hat steuerliche Konsequenzen.
  • Ableben nach Pensionsantritt: Übergangspension an Ehepartner/Lebensgefährten oder Kinder bis zum 27. Lebensjahr. Wenn diese nicht oder nicht mehr vorhanden sind, kommt das Restguthaben der Versicherungsgemeinschaft zugute.
  • Achtung: Viele Banken und Versicherungen bieten auch noch zusätzliche und unterschiedliche Zusatzprodukte an. Diese gilt es individuell zu betrachten - oft sind diese aber nicht notwendig. Fragen Sie diesbezüglich nach!

Beispiel Aktienquote - Deckungsstock

Bezüglich der erlaubten (altersabhängigen) Aktienanteile kann es bei den unterschiedlichen Anbietern der Zukunftsvorsorge sehr viel Modelle geben.

Hier ein Beispiel, wie die Donau-Versicherung die prämiengeförderte Zukunftsvorsorge (wird dort "Bonuspension" genannt) anbietet:

Bis Vollendung 50. Lebensjahr: Variante 1: 15% Aktien, 85% Deckungsstock, Variante 2: 30% Aktien, 70% Deckungsstock, Variante 3: 45% Aktien, 55% Deckungsstock.

Ab Vollendung 50. Lebensjahr: Variante 1: 5% Aktien, 95% Deckungsstock, Variante 2: 10% Aktien, 90% Deckungsstock, Variante 3: 15% Aktien, 85% Deckungsstock.

Bis zum Alter von 50 Jahren kann der Versicherte von einer Variante in die andere wechseln. Ab dem 51. Lebensjahr ist der Wechsel nur in Form einer Reduzierung der Aktienquote möglich. Der Wechsel bezieht sich auf das Gesamtguthaben und die zukünftigen Prämien.

Man sieht schon: Die Donau schöpft hier nicht die komplette gesetzliche Möglichkeit der Veranlagung in Aktien aus und ist gerade bei älteren Versicherungsnehmern durchaus konservativ in der Veranlagung. Was sicher kein Fehler ist - denn wer möchte schon knapp vor Antritt der Privatpension durch einen Börsencrash massiv verlieren...

Und wer etwas mehr riskieren möchte, der kann (allerdings ohne staatliche Förderung) noch immer auf eine Fondsversicherung zurückgreifen bzw. selber Fonds oder Aktien etc. kaufen...

Beurteilung der Zukunftsvorsorge

Prinzipiell handelt es sich bei dieser Pensionsvorsorge um ein Egoistenprodukt zum Ansparen der eigenen Zusatzpension. Bei anderen Pensionsprodukten gibt es z.B. auch im frühen Ablebensfall (kurz nach Pensionseintritt) für die Erben (insbesondere großjährige Kinder) das nicht verbrauchte Pensionskapital zurück. Nachdem keiner mit 20 die eigene Lebenssituation mit 65 oder 70 kennt und planen kann, sieht die Geldmarie hier einen kleinen Nachteil.

Die Sicherheit der Veranlagung (auch wenn Aktien dabei sind) ist durch die Kapitalgarantie durchaus gewährleistet. In den letzten Jahren der Veranlagung sollten man erzielte Gewinne absichern und damit bei der Veranlagung konservativer (bis 95% Anleihen) werden. Durch die Alterstufen in der Veranlagung wurde das Produkt zwar per 2010 diesbezüglich entschärft - doch leider wurde für Neuverträge von jüngeren Menschen der Aktienanteil von 40% auf 30% reduziert. Dies geschah im geistigen Schatten der Finanzkrise 2008/2009 - und zulasten einer höheren Ertragschance. Per 1.8.2013 wurde der Aktienanteil nochmals verwässert (bis Alter 50: 15-60%, über 50: 5-50%). Individuelle Beratung ist hier unbedingt notwendig!

Die scheinbar noch immer recht hohe Förderung (die ab 2012 ohnehin halbiert wurde) sollte hier nicht allzu sehr verlocken: Da diese Förderung nur auf die im betreffenden Jahr einbezahlten Gelder wirkt, ist deren Auswirkung auf den Gesamtertrag insbesondere bei hohen Laufzeiten nicht so wichtig wie es vielleicht erscheinen mag.

Für besonders junge (realistische) Anleger empfehle ich einen Einstieg mit geringen Prämien - damit eine Basis vorhanden ist, die später noch nach Bedarf an die tatsächlichen Bedürfnisse angepasst werden könne. Ein Ausstieg ist nämlich gar nicht so leicht möglich: Prämienfreistellung geht (wie immer) vor Rückkauf (der sowieso erst nach 10 Jahren Laufzeit möglich wäre). Auch 20 Euro monatlich sind für junge Menschen schon ein Anfang...

Vereinzelt gab es anfangs Gerichtsurteile, welche einen Rückkauf vor der Mindestfrist (10 Jahre) möglich machten - später wurden dann aber entsprechende Prozesse verloren. Seit 2013 ist die Rückkaufsmöglichkeit nach 10 Jahren auch gesetztlich gesichert, damit können seit 2013 auch Verträge (mit Abschlussdatum 2003) rückgekauft werden. Dass bei vorzeitiger Auflösung einer Zukunftsvorsorge mit einiger Sicherheit ziemliche Verluste eintreten, ist aber fast garantiert. Also jedenfalls nur Geld in Pensionsprodukte leiten, welches Sie (ziemlich) sicher nicht antasten müssen.

Nochmals die Konsequenzen beim Rückkauf: Verlust der halben staatlichen Prämien, nachversteuern von Kapitalerträge mit 27,5% KESt. und Verlust der Kapitalgarantie. Eine Prämienfreistellung kann solche Verluste jedenfalls vermeiden.

Trotzdem ist die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge eine tolle Alternative zu den klassischen und konservativen Pensionsversicherungen, da mit Aktienfonds deutlich höhere Zuwachschancen gegeben sind. Durch die zumeist langen Laufzeiten sollten Krisen auf den Aktienmärken dauerhaft weggesteckt werden - in solchen Krisenzeiten wird sogar immer recht günstig (Cost-Average-Effekt) eingekauft.

So Sie zu den Kunden von Banken und Versicherungen gehören, deren Verträge im Zuge der Finanzkrise 2008/2009 "ausgestoppt" wurden (durch starke Verluste wurde der Aktienanteil aufgegeben bzw. auf ein Minimum reduziert - nur die Kapitalgarantie ist zu erwarten), sollten Sie unbedingt Ihren Berater kontaktieren (wenn die Kontaktaufnahme nicht ohnehin schon via Versicherung/Bank erfolgte).

So Sie selbst nicht wissen, ob Ihr Vertrag ausgestoppt ist (die Transparenz seitens Anbieter hielt sich da in Grenzen), fragen Sie rasch beim Anbieter nach. Oft empfiehlt sich nämlich ein (vom Anbieter begünstigter) Umstieg in ein neues Produkt bzw. ein Prämienfreistellen der aktuellen Variante. Finden sie hier mehr Informationen zur ausgestoppten Zukunftsvorsorge

Übrigens: Ich empfehle die Zukunftsvorsorge nicht als Einstiegsprodukt sondern eher als weitere Zusatzpension. Eine klassische (konservative) Pensionsversicherung oder Lebensversicherung mit Rentenoption (bzw. individuelles Ansparen, wenn man die Zusatzpension nicht nur Versicherungen übertragen will) bzw. eine andere konservative Vorsorgevariante sollte in der Regel die Basis einer sicheren privaten Pensionsvorsorge sein - ein eventueller Mehrertrag mit der Zukunftsvorsorge könnte (bei gutem Wind) das angenehme "Mehr" darstellen. Und notfalls (erwischt man eine besonders lange schlechte Phase) bleibt ja immer noch die Kapitalgarantie...

Geldmarie-Linktipps:

Zuletzt verändert: 28. 02. 2019, 13h35