Auch wenn die österreichische Wirtschaft noch im Schneckentempo unterwegs ist: Die heimische Börse Wien bzw. deren Leitindex ATX konnte sich 2025 prächtig entwickeln und sogar über den (ebenfalls in guter Laune befindlichen) internationalen Börsen performen. Auch wenn das Jahr 2025 noch ein paar Tage älter werden wird - 2025 war jedenfalls ein feines Jahr für die meisten Anleger mit Wien-Investments: Rund 39% liegt der ATX derzeit im Plus!
Gegenwärtig notiert der ATX bei knapp über 5.100 Punkten - und befindet sich damit weiterhin auf Rekordniveau. Erst vor einigen Tagen ist es gelungen, den "Uraltrekord" aus dem Jahr 2007 zu übertreffen. Hier gilt es aber anzumerken, dass die Berechnung des ATX nur auf Kursbasis beruht während andere Indexwerte zumeist auch die Ausschüttungen (Dividenden) der notierenden Unternehmen berücksichtigen. Diese zeigt bei uns der "ATX TR" (TR steht hier für "Total Return") - und der ist schon längere Zeit auf Rekordniveau.
Auch wenn der Marktplatz Wien nur eine ziemlich kleine Börse bietet und der Kapitalmarkt in Österreich leider weiterhin nur ein zartes Pflänzchen darstellt (viel zu wenig Unternehmen holen sich Kapital via Börse) - die jüngste Verlängerung von Börsenchef Christoph Boschan (seit 2016 am Werken) ist durchaus positiv zu sehen. Die Transformation einer Sparbuchsparernation hin zu Risikokapital (mit in der Regel mehr Erträgen aber natürlich auch mit mehr Risiko) ist im Gange - politisch tut sich in Sachen Kapitalmarktförderung hierzulande aber leider zu wenig.
Während die Besteuerung von raschen Kursgewinnen schon verständlich ist, wäre das Einführen einer Behaltefrist für langfristig orientierte Anleger (z.B. ab 5 Jahren Haltedauer keine Versteuerung von Gewinnen, Erträge aus Dividenden werden sowieso versteuert) durchaus wünschenswert.
Klarer Jahressieger 2025 wird wohl AT&S Austria Technologie & Systemtechnik AG. Der Leiterplattenhersteller aus Leoben liegt aktuell rund 166 Prozent über dem Jahresschlusskurs 2024. Hier gilt es zu erwähnen, dass das Geschäftsjahr 2023/2024 noch negativ ausfiel und das Börsenjahr 2024 auch im roten Bereich endete. Hier spielt beim Aufschwung natürlich auch der KI-Boom eine Rolle.
Etwas überraschend ist die Performance der voestalpine. Mit einem Zuwachs von bisweilen 104% hat sich der Börsenkurs der Linzer mehr als verdoppelt. Dies, obwohl die Stahlbranche 2025 noch immer mittelprächtig läuft und Trump mit Zöllen (von denen die voestalpine nur marginal betroffen ist) auf dem Stahlmarkt für ziemliche Turbulenzen gesorgt hat. Auch hier gilt es aber zu beachten, dass 2024 an der Börse für das Unternehmen sehr schwach gelaufen ist und man hier auf eine Trendumkehr setzt.
Platz 3 geht bisweilen an die STRABAG, welche trotz europäischer Konjunkturschwäche von Auftragsrekord zu Auftragsrekord eilt und dies auch in Richtung Gewinne positiv umsetzen kann. Mit einem Zuwachs von ca. 103% hat sich auch die STRABAG-Aktie verdoppelt und notiert schon mit über 80 Euro. Nach dem Börsengang (2007) lag die Aktie ja viele Jahre unter dem Ausgabepreis - nun scheint Erntezeit angesagt.
Auf der Verliererseite im 20 Unternehmen umfassenden ATX finden sich derzeit nur 3 Unternehmen:
Mit Minus 18 Prozent ist die Lenzing AG derzeit Schlusslicht des Wiener ATX. Schon im Vorjahr setzte es für den Hersteller von Zellulosefasern einen Verlust, dies wird sich wohl auch 2025 wiederholen. Der langjährige Börsenliebling ist somit derzeit auf Konsolidierungskurs.
Schwach verlief 2025 bisher auch für den Verbund: -9% sind aber angesichts der heuer vorherrschenden Wasserbedingungen bzw. schlechten Nachrichten aus der Politik (höhere Steuern auf Produktion, Entnahme von Rücklagen etc.) durchaus verständlich. Darüber hinaus zog der Verbundkurs ja in den Jahren 2022 und 2023 kräftig an - um jetzt im "Normalmarkt" nach unten zu korrigieren.
Auch der Ölfeldausrüster SBO (früher "Schoeller-Bleckmann") kommt noch nicht so richtig in Schwung und hat seit 2023 bisweilen 3 negative Börsenjahre zu verzeichnen. Das Minus 2025 fällt aber mit rund 4% derzeit eher niedrig aus und kann sich in den verbleibenden Tagen 2025 noch drehen. Auch 2025 liegt SBO in der Gewinnzone, dieser wird aber wohl geringer ausfallen als in den Vorjahren.
Eine Prognose für 2025? Schwer. Prinzipiell erachte ich die großen Börsen für teils ziemlich überbewertet. Als kleine Börse hängt sich Wien natürlich an den internationalen Trend an - und ob der politisch unstabilen Weltlage sind weiterhin ziemlich böse Überraschungen möglich. Sehr attraktiv sind in Wien aber einige Dividendentitel - so birgt z.B. die Post AG nur wenig Risiko. Auch die Banken und die Versicherungen haben nette Renditen zu bieten - sind aber auch schon ziemlich teuer geworden. Selektives Stockpicking ist jedenfalls angesagt - das Lesen von Geschäftsberichten und Konjunkturaussichten in den jeweiligen Branchen auch kein Fehler...
Ad hoc-Meldung - Dezember 2025