2024 war für die heimische Stromproduktion noch ein Prachtjahr: Sowohl die wichtige Wasserkraft als auch die boomende Photovoltaikbranche produzierte hervorragend und auch die Erträge der heimischen Windkraftwerke waren ausgezeichnet. 2025 hat sich der diesbezügliche Wind aber gänzlich gedreht und aus dem Prachtjahr davor wurde ein ziemlich schwaches Jahr für die Stromproduktion in Österreich.
Laut Daten von ISE Fraunhofer (Daten via ENTSO-E, siehe Link ganz unten, Daten noch vorläufig) wurden in Österreich 2025 51,97 TWh (=Terawattstunden) Strom produziert. Das sind fast 9 TWh weniger als noch im (tollen) Vorjahr als man auf eine Produktion von 60,83 TWh kam.
Nicht nur die Erzeugung brach deutlich ein, auch der Stromverbrauch zog 2025 in Österreich an: Nach 56,37 TWh Verbrauch anno 2024 weist ISE Fraunhofer für 2025 einen Verbrauch von 57,90 TWh aus.
Nach dieser Statistik (offizielle Berechnungen von heimischen Stellen folgen noch im Laufe 2025) gab es 2024 noch einen Exportüberschuss von mehr als 4 TWh wogegen 2025 mit einem Importüberschuss von rund 6 TWh enden wird.
Der in Österreich 2025 erzeugte Strom war auch deutlich weniger "grün": Die Erneuerbaren-Erzeugung sank von 89% (2024) auf 85%. Und das, obwohl bei den Erneuerbaren auch 2025 durchaus zugebaut wurde.
Sehr wohl gilt es aber zu erwähnen, dass 2025 gerade bei den wichtigen "Stromquellen" Wasser und Wind besonders schwach war und man mit einem sehr starken Wasser- und Windjahr 2024 vergleicht!
Auch wenn wir das Jahr 2026 mit besonders hohen Stromimporten (und extrem niedrigen Wasserständen in den Flüssen bzw. auf den Bergen) beginnen: Ob der miesen Ausgangsbasis 2025 ist für 2026 durchaus mit einer Steigerung der Stromproduktion aus Erneuerbaren zu rechnen.
Mit einer Stromproduktion von 24 TWh sind die heimischen Laufwasserkraftwerke nach wie vor das Rückgrad der Stromversorgung in Österreich.
Der Anteil an der Gesamtstromproduktion 2025 lag bei 46,2% - im Jahr davor war dieser Anteil aber noch mit fast 53% deutlich höher. Fast 32 TWh Strom via Laufwasser wurden 2024 produziert - das entspricht schon nahezu dem gesamten Produktionsrückgang des Jahres!
Wie auch beim Wasser war auch beim Wind ein besonders schwaches Produktionsjahr zu beobachten. Auch hier steht dem guten Jahr 2024 (9,4 TWh Produktion) ein sehr schwaches Jahr 2025 (8,5 TWh) entgegen obwohl das eine oder andere große Windrad sich im Vorjahr frisch gedreht hat. Der Ausbau bei der Windkraft verläuft aber aktuell (auch aus politischen Gründen) sehr bescheiden...
Platz 3 im Stromproduktionsranking geht 2025 überraschenderweise wieder an Gas. Erdgas hat sich seit dem Überfall der Russen auf die Ukraine ja massiv verteuert, die Erdgaspreise (derzeit bei rund 30 bis 31 Euro pro MWh) haben sich aber 2025 deutlich reduziert. Nachdem aber Industrie und viele Haushalte sowie die Stromproduktion nach wie vor sehr viel Gas benötigt, bleibt Gas weiterhin relevant. In der Stromproduktion kommt Gas besonders dann (flexibel) zum Einsatz, wenn der Strombedarf hoch ist (bei uns v.a. in der kalten Jahreszeit) bzw. die Erneuerbaren auslassen. Das ist z.B. aktuell im Jänner sehr häufig der Fall. 2024 wurden noch 5,96 TWh Strom mit Gas produziert, 2025 erfasste man deren 7,25 TWh.
Eigentlich war ja damit zu rechnen, dass 2025 bei der Stromproduktion die Photovoltaik das Gas überholt - dem war aber nicht so: Auch wenn die Sonnentage wohl nicht deutlich schwächer waren als noch 2024 und auch 2025 noch einige neue Photovoltaikanlagen in Betrieb gingen (der große Boom scheint aber vorbei) kam laut der Statistik von ISE Fraunhofer Photovoltaik "nur" auf eine Produktion von 5,66 MWh. Im Jahr davor waren es noch (stark angestiegene) 5,83 MWh...
Versuch einer Begründung: Die vielen neuen Photovoltaikanlagenbesitzer haben den Eigenverbrauch gesteigert (auch ob niedriger Einspeisetarife) bzw. optimiert. Einerseits gibt es hier viele technische "Spielereien" um den Stromverbrauch dann zu steigern, wenn gerade Strom produziert wird, andererseits wurden 2025 wohl auch viele Speicherbatterien den Anlagen hinzugefügt. Auch die Geldmarie hat sich 2025 zur alten Anlage einen Speicher geleistet - ob sich dieser je (kaufmännisch) rechnen wird, ist allerdings fraglich. Und vielleicht tragen ja auch ein paar tausend neue Elektroautos in den Haushalten oder Firmen ein wenig zu weniger Spitzeneinspeisung bei...
So der Winter nicht zu kalt ausfällt und Wasserkraft und Windkraft 2026 wieder besser laufen, könnte die Photovoltaik 2026 das Gas bei der Stromerzeugung aber endgültig überflügeln.
Auch noch sehr relevant in der Stromproduktion Österreichs sind die Speicherkraftwerke. Auch diese liefen 2025 mit einer Erzeugung von 3,54 TWh bescheidener als noch 2024 4,58 TWh. Vielleicht liegt dies ja auch am technischen Ausfall der Kraftwerke Limberg I und Limberg III, welche voraussichtlich bis zum nächsten Winter pausieren müssen...
Für 1,89 TWh Strom (Vorjahr 1,93 TWh) sorgte auch noch die Biomasse, welche in Österreich nicht so recht in Schuss kommt. Strom bei der Müllverbrennung schaffte es 2025 auf immerhin 0,88 TWh.
Nach einem sehr schwachen Jahr 2025 kann man für 2026 eigentlich von steigender Stromproduktion bei den meisten Erzeugungsquellen rechnen.
Dies hängt bei der stark wetterabhängigen Stromproduktion Österreichs natürlich massiv von der vorhandenen Wasserkraft ab. Diese hat 2025 geschwächelt und sollte 2026 eigentlich etwas anziehen. Viel hängt natürlich (neben den Niederschlägen) auch davon ab, ob sich diesen Winter dann doch noch ein wenig Schnee auf die Berge begibt welcher dann ab dem Frühling die Bäche und Flüsse bzw. Speicher füllt...
Bei der Windkraft kann man eigentlich 2026 (nach dem miesen Jahr 2025) nur mit einer Steigerung rechnen. Diese sollte schon alleine von den bestehenden Kraftwerken kommen - der Ausbau hinkt leider deutlich den (scheinbar aufgegebenen) politischen Plänen nach...
In der Photovoltaik kann man mit ziemlich konstanten Erträgen rechnen und eigentlich auf einen leichten Zuwachs tippen. Hier ist es wohl sehr wichtig, die "Überschussproduktion" (insbesondere im Frühling und im Sommer treibt die starke Produktion den Strompreis an den Börsen stundenweise ins Minus) sinnvoll zu reduzieren - das Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) hat hier schon erste brauchbare Ansätze. Der Ausbau der Netze ist aber weiter sehr relevant und das Speichern von Überschussstrom wird wohl auch in den nächsten Jahren immer wichtiger.
Ob nun 2026 mehr oder weniger Gas zur Stromproduktion eingesetzt wird, ist unklar: Weil sehr abhängig von der Witterung und der Produktion der anderen wichtigen Stromproduktionsquellen. Es bleibt zu hoffen: Wenig Gas in der Stromproduktion = viel erneuerbare Erzeugung = günstigere Strompreise für Haushalte, Firmen und Industrie!
Nachdem viele bezüglich Energieverbrauch relevante Bereiche weiterhin auf Strom umrüsten (z.B. Elektroautos, Wärmepumpe für Heizung etc.) wird der Stromverbrauch 2026 (und auch in den weiteren Jahren) wieder klar ansteigen.
Auch wenn die Strombilanz 2025 für Österreich schwach ausfällt: Die Richtung stimmt nach wie vor - etwas Beschleunigung wäre aber durchaus seitens Politik noch angebracht. Die hat aber derzeit wohl andere Sorgen - Klimapolitik ist derzeit leider ziemlich unpopulär...
Geldmarie-Linktipps:
Ad hoc-Meldung - Jänner 2026