Die Strombilanz Österreichs ist im 1. Quartal 2026 tiefrot. Laut den Statistiken von ISE Fraunhofer (Daten via ENTSO-E, vorläufige Daten) wurden im 1. Quartal 2026 in Österreich 12,65 TWh Strom Produziert. Dem steht ein viel höherer Stromverbrauch von 16,31 TWh gegenüber woraus ein ziemlich fettes Minus resultiert...
Ein Minus, welches 2026 wohl kaum mehr aufgeholt werden kann: Auch wenn in den nächsten 5 Monaten Sonne und vielleicht auch Wasser wohl für einen Exportüberschuss sorgen werden ist die Abhängigkeit von Stromimporten in der kalten Jahreszeit leider evident und kann nur langfristig durch Speicher (bzw. kurzfristig durch Wind und Regen) etwas reduziert werden.
70,8% der heimischen Stromproduktion entfielen auf Erneuerbare Energie (2024 waren es im ersten Quartal noch 68,7%), 29,2% auf Fossile (primär Gas).
Laufwasserkraftwerke hatten mit einer Produktion von 4,52 TWh einen Anteil von 35,8% an der Stromproduktion. Dahinter dann schon Erdgas mit 3,54 TWh (28%) - ein teilweise durchaus vorhandener Winter sorgte wieder für einen recht hohen Erdgasbedarf in der Stromproduktion (sowie auch bei den Gasheizungen...). Die Windkraft kam im 1. Quartal auf 2,39 TWh (18,9%) und Solar hatte immerhin 0,75 TWh (5,9%) zur Verfügung gestellt (wobei hier der in der kalten Jahreszeit hohe Eigenverbrauch nicht berücksichtigt ist).
Laufwasser produzierte mangels viel Niederschlag wiederum schwach, Erdgas wurde deutlich mehr "verstromt" als im Schnitt der letzten Jahre, Wind wehte verhältnismäßig schwach (bis auf die letzten Tage) und Photovoltaik kommt erst im 2. Quartal so richtig in Schwung...
Ob wenig Wasser und wenig Wind war es nicht verwunderlich dass kaum ein Tag im 1. Quartal 2026 mit Exportüberschüssen endete und sehr viel (grauer) Strom importiert werden musste...
Da der Zubau bei Photovoltaik in den letzten Jahren recht gut lief, gibt es hier in den nächsten Monaten (zumindest untertags) starke Produktionswerte. Das unterstützt auch die Laufwasser- und Speicherkraftwerke stark.
Insbesondere bei der Laufwasserkraft ist aber eine Prognose recht schwierig (wann fällt Regen und wieviel Regen kommt...?). Aktuell sieht es mit den Wasserständen sehr traurig aus und auch der doch recht schneearme Winter wird die Pegelstände nun via Schneeschmelze kaum verbessern. Da hilft nur viel Niederschlag (aber bitte nicht zu viel)...
Da in der wärmeren Jahreszeit deutlich weniger Gas bei der Stromerzeugung zum Einsatz kommt, sollten sich die Strompreise zumindest die nächsten Monate in Grenzen halten.
Nachdem Gas aber dieser Tage (Iran-Krieg) extrem teuer geworden ist und die Befüllung der Speicher in Österreich nun zu den wohl teuren Preisen ansteht, muss man in Zeiten mit wenig Stromproduktion durch Erneuerbare (wenig Wasser, wenig Wind, wenig bis keine Sonne) schon jetzt an den Strombörsen mit höheren Notierungen rechnen. Das war schon die letzten Wochen deutlich sichtbar.
Sollte der Iran-Krieg noch andauern und die Gaspreise auf dem aktuellen Niveau bleiben (50 bis 60 Euro pro MWh), wird es spätestens im Herbst auch mit den Strompreisen ziemlich unlustig. Mit den Gaspreisen für die nächste Heizsaison sowieso...
Für vorsichtige Menschen ist es nun schön langsam an der Zeit, sich einmal den aktuellen Strom- bzw. Gastarif anzusehen und bei Nichtgefallen einen Anbieterwechsel in Betracht zu ziehen!
Wichtig dabei insbesondere: Wann sind Preiserhöhungen laut Bedingungen möglich und wie lange wird der aktuelle Tarif garantiert. Darüber hinaus sollte man sich bei Gastarifen an 2022/2023 erinnern - da zogen sich dann einige kleinere Anbieter plötzlich vom Markt zurück und man konnte nur zu besonders schlechten Konditionen zu einem anderen Anbieter wechseln...
Bleiben die Gaspreise die nächsten Monate so hoch, drohen einerseits deutlich höhere Stromtarife für die Wintersaison und die Gaspreise für den Winter 26/27 werden deutlich höher sein als noch für den nun endenden Winter. Denn Gas für die nächste Saison eingekauft wird (spätestens) jetzt...
Da Gaskontrakte oft schon 1 bis 3 Jahre im Voraus geschlossen werden, sind auch für die nächsten Jahre keine Billigtarife bei Gas zu erwarten. Vorsichtig formuliert...
Kurzfristig kann man sich bei seriösen Anbietern von Strom und Gas aber zumindest einen fixen Jahresvertrag sichern und hoffen, dass der Spuk um Iran schon bald sein Ende nimmt.
Ebenso kurzfristig kann man sich seit dem 1. April (kein Scherz) auch ein paar Euro sparen indem man seinen Stromverbrauch zeitlich anpasst bzw. optimiert: Der "Sommer-Nieder-Arbeitspreis" vergünstigt nämlich von 10 bis 16h die Netzgebühren um 20%. Dies gilt für alle, die beim Smart-Meter (ist fast überall schon vorhanden) die viertelstündliche Auslesung aktiviert haben. Falls nicht: Tun Sie dies online bzw. kontaktieren Sie ihren Anbieter zwecks Umstellung.
Wer dann vom 1.4. bis 30.9. zwischen 10h und 16h Strom bezieht, zahlt für die bezogene Menge besagte 20% Netzgebühren weniger - insbesondere für Menschen ohne Photovoltaikanlage/Stromspeicher ist das eine Möglichkeit in dieser Zeit Starkverbraucher (E-Car, Wärmepumpe, Herd, Waschmaschine, Geschirrspüler, Staubsauger, Trockner etc.) laufen zu lassen und ein paar Euro im Jahr zu sparen.
Seit 1.4.2026 gibt es übrigens auch einen Sozialtarif für einkommensschwache Haushalte: 6 Cent für maximal 2.900 kWh sind quasi eine Strompreisbremse für Menschen, die diese auch brauchen...
Geldmarie-Linktipps:
Ad hoc-Meldung - April 2026