So schön sich das Wetter in Österreich in den letzten Wochen auch präsentiert hat: Es ist gegenwärtig noch immer viel zu trocken (und auch etwas zu warm) und die Flüsse führen deutlich weniger Wasser als üblich, die Seen (der Neusiedler See ist z.B. aktuell nur noch knapp über dem historischen Tiefststand, in der Unteren Lobau stehen nur noch Lacken statt Gewässern) leiden unter Wassermangel und das Grundwasser bzw. die Wasserversorgung ist vielerorts im kritischen Zustand.
Die österreichische Stromerzeugung erfolgt ja in Normaljahren zu wesentlichen Teilen aus Lauf- und Speicherwasser. Schon im Winter 25/26 waren die Niederschläge in Österreich deutlich unter dem langjährigen Schnitt und ließen schon im Frühjahr das sonst übliche Schmelzwasser vermissen. Es folgte ein katastrophal trockener Sommer, der die Pegelstände der meisten Flüsse auf (negatives) Rekordniveau fallen ließ. Und damit leider auch die Stromerzeugung via Wasserkraft.
Schon 2025 ging die Stromerzeugung aus Wasserkraft lt. E-Control um 26,6% auf 24,4 Gigawattstunden zurück (2024 war aber ein vergleichsweise sehr gutes Jahr bezüglich Wasserkraft), aktuell (per 13.10.2026) liegen wir bei gerade einmal 15,55 TWh (lt. Energy-Charts.info). Nachdem nahezu alle Flüsse Österreichs derzeit Niederwasser führen und im Restjahr wohl kaum mehr große Wassermengen hinzukommen (und wenn, dann ab November auch oft via Schnee gebunden) ist mit einem langjährigen Negativrekord bei der Wasserkraft zu rechnen.
Hinzu kommt auch noch die bisher unterdurchschnittlichen bis schwachen Erträge seitens Windkraft - die aber in den nächsten Wochen bzw. Monaten stark zulegen wird und den aktuten Strommangel bezüglich Österreich-Produktion etwas abmildern wird.
Deutlich abgemildert wird das Strommanko Österreichs auch 2026 durch die in den letzten Jahren fein ausgebaute Photovoltaik: Schon jetzt liegt die Stromproduktion via Photovoltaik in Österreich mit 6,21 TWh (lt. Energy-Charts.info) über der Gesamtproduktion im Vorjahr als es noch insgesamt 5,67 TWh wurden. Auch wenn die Photovoltaik in den letzten Monaten des Jahres da leider deutlich zurückfallen wird, wird diese Technik für die heimische Stromerzeugung immer wertvoller.
So die "Dunkel-Trocken-Flaute" (wenig Wasser, wenig Wind und wenig bis keine Sonne) in den letzten Monaten anhält, könnte die Stromerzeugung via Gas die Photovoltaik noch 1x überholen.
Hoffentlich letztmalig - denn wenn Gas in der Stromerzeugung eingesetzt wird, wird der Strompreis extrem teuer - insbesondere, da die Gaspreise ob Putin & Trump heuer besonders stark explodiert sind. Der Gaspreis für eine Megawattstunde liegt aktuell an der Gasbörse CEGH schon bei 86-87 Euro - und macht damit auch klar, dass sowohl die Gaspreise als auch die Strompreise für alle Kunden in den nächsten Monaten bzw. schon 2027 noch einmal kräftig nach oben ziehen werden. Sich jetzt noch vor dem Winter einen halbwegs brauchbaren Fixtarif (zumindest auf 1 Jahr) ist wohl kein Fehler...
Darüber hinaus sind auch die Gaslagerstätten Europas ob der hohen Preise vor dem kommenden Winter eher bescheiden gefüllt - in Österreich starten wir mit rund 70% in den Winter. Das Gas in den heimischen Lagern gehört aber nicht nur heimischen Unternehmen. Panik bezüglich der Füllstände ist aber derzeit keinesfall angebracht - nur ein extremer Winter (der wohl wieder ausbleiben wird) könnte da zu Sorgenfalten führen...
Auch wenn häufig schon Eigenstrom via Photovoltaik gewonnen wird und da und dort auch schon eine Speicherbatterie im Einsatz ist: Auch 2026 steigt wohl der Stromverbrauch in Österreich weiter an. Teils witterungsbedingt, teils aber auch durch den Boom bei E-Cars oder Luft-Wärme-Pumpen.
Schwache Erzeugung bei der "Hauptstromquelle" Wasserkraft und schwache Erzeugung (und zu wenig Ausbau) bei der Windkraft können durch die Photovoltaik natürlich nicht kompensiert werden.
Konnte man 2023 noch eine ausgeglichene Strombilanz erreichen (Importe versus Exporte) und 2024 ob der feinen Wasserführung sogar einen netten Exportüberschuss von 9% feiern, so lag man 2025 mit einem Importüberschuss von 5,3% (=5.360 GWh) schon wieder im Minus. Dieses wird 2026 noch deutlich fetter (vielleicht sogar zweistellig) ausfallen - gerade einmal im Juli 2026 wurde hierzulande mehr Strom produziert als verbraucht. Die restlichen Monate verzeichneten Stromimporte - und das wird sich mit fast hundertprozentiger Sicherheit auch von Oktober bis Dezember 2026 nicht ändern.
Auch für die ersten Monate 2027 wird sich das wohl nicht ändern - in der kalten Jahreszeit ist Österreich nach wie vor üblicherweise Stromimporteur. Weiter hohe Strom- und Gaspreise scheinen derzeit vorprogrammiert - auch weil Strom und Gas ja von den Anbietern in der Regel schon im Vorhinein gekauft wird...
78% des Stromverbrauchs in Österreich wurden 2025 aus Erneuerbaren gewonnen (lt. E-Control), 2024 waren es deren (wasserführungsbedingt) noch nette 94 Prozent. 2026 sieht es nach einem weiteren Rückfall aus und das Ziel, 2030 bilanziell ausgeglichen (also rechnerische 100% des Verbrauchs mit Erneuerbaren produziert) ist wieder in die Ferne gerückt.
Helfen kann hier wohl einerseits viel Niederschlag (aber nicht zu viel auf einmal...) und andererseits auch die bessere Verteilung der Stromlast, der weitere Ausbau der Netze, deutlich mehr Windkraftwerke und auch eine "Speicheroffensive". Viel Sonnen- und Windstromproduktion geht nämlich immer noch verloren. Der aktuell präsentierte Neuentwurf der Gestaltung der Netzgebühren könnte hier helfen - benötigt aber wohl noch einen Feinschliff.
In Sachen Stromproduktion in Österreich muss man aber schon jetzt feststellen: Ein ganz trauriges Jahr. 2027 kann eigentlich (und hoffentlich) nur besser werden, weitere (teils hohe) Preissteigerungen bei Strom (und auch Gas) sind wohl jetzt schon fix.
Geldmarie-Linktipps:
Ad hoc-Meldung - Oktober 2026