Nein, keinesfalls sollte man sich Politik von Menschen wie dem Ryanair-Chef Michael O’Leary diktieren lassen. Insbesondere, wenn solche Menschen ob der österreichischen Flugabgabe mit persönlichen Beleidigungen in Richtung Politik agieren. Und doch bringt der Wegfall einiger Flieger von Ryanair am Flughafen Wien-Schwechat die Politik nun unter Druck - weil damit am Standort natürlich auch die Passagierzahlen sinken.
Während der kleine Flughafen Bratislava (nur rund 50 Kilometer von Wien entfernt) Billigflieger wie Ryanair oder Wizz Air anlockt und ob Verlegung von Flugzeugen von Wien nach Bratislava auch boomt wie noch nie (3,69 Mio. Passagieren von Jänner bis September 2026 sind ein Plus von 99%), setzte es nun in Wien-Schwechat in den ersten 9 Monaten für den Flughafen Wien ein Passagierminus von -4,5% auf 23,48 Mio. Passagiere.
Bei der Fracht (wo es keine Flugabgabe gibt) liegt der Flughafen Wien derzeit mit 237.983 Tonnen immerhin 2% über dem Vorjahr.
Ob der Verlegung von Flugzeugen nach Bratislava dürfte der Flughafen Wien-Schwechat 2026 rund 2 Mio. weniger Passagiere abfertigen als noch im Rekordjahr 2025. Da dem Flughafen Wien aber auch die boomenden Flughäfen in Malta (8,75 Mio. Passagieren, +14,5% nach 9 Monaten) und Kosice (883.500 Passagiere sind ein Plus von 32,1%) gehören, liegt man mit insgesamt 33,11 Mio. Passagieren nach 9 Monaten sogar noch 0,7% über dem Vorjahr.
Darüber hinaus liegt der Gewinn der Flughafen-Wien-Gruppe zum Halbjahr 2026 mit 108,3 Mio. Euro sogar noch über den Gewinnzahlen aus dem ersten Halbjahr 2025, als 102,8 Mio. Gewinn verzeichnet wurden.
Nun melden sich aber auch die Landeshauptleute von Wien und Niederösterreich zu Wort - denn immerhin gehören je 20% des Unternehmens den Ländern Wien und Niederösterreich. Ob daher nun die Bundespolitik ob der mächtigen Landesfürsten Michael Ludwig und Johanna Mikl-Leitner nicht einknickt, ist sehr fraglich. Und immerhin geht es "nur" um rund 179 Mio. Steuereinnahmen, die die Flugabgabe 2025 eingebracht hat.
12 Euro pro Flug beträgt diese Steuer derzeit, 30 Euro sind es für Kurzstreckenflüge.
Die Geldmarie selbst ist kein Freund von nationalen Sondersteuern (wie z.B. auch die unselige Paketabgabe), sehr wohl aber auch kein Freund von Flugreisen. Eine Flugabgabe im Alleingang kann sich aber bei Alternativen in der Nähe (siehe derzeit Bratislava) sehr rasch negativ auf die Wirtschaft auswirken - weniger Flüge wären aber absolut anzustreben und ob es sinnvoll ist, sich von Billigfluglinien Politik diktieren zu lassen, ist sowieso sehr fragwürdig. Die Nächtigungszahlen in Wien bzw. Österreich sind nämlich nach wie vor sehr solide.
Fliegen lässt sich aber natürlich bei manchen Destinationen nicht vermeiden. Die heimische Politik wäre gefordert, hier europaweit für einheitliche Gesetze zu sorgen - und idealerweise einfach eine europaweit gültige Kerosinsteuer einzuführen. Dann könnte man sich auch derartige Steuern und Probleme sparen.
Aktuell würde ich die Flugabgabe aber noch belassen und beobachten, wie sich die Passagierzahlen dann entwickeln, wenn man den Wegfall von Ryanair und Wizzair statistisch nicht mehr sieht. Denn gegenwärtig ist der Rückgang eher "Raunzen auf hohem Niveau".
Ad hoc-Meldung - Oktober 2026