Es gibt sie schon einige Zeit - und doch werden sie aufgrund von Preisrisken nur von einer kleinen Gruppe der Stromkunden bevorzugt: Die Floatertarife.
Floatertarife sind Stromtarife, die sich (je nach Tarif) monatlich, täglich, stündlich oder auch viertelstündlich an die jeweils gegebenen Börsenpreise für Strom anpassen.
Wurden Sie ursprünglich 1x pro Monat an einen Index angepasst (z.B. den ÖSPI, den österreichischen Strompreisindex), so sind mittlerweile auch tägliche, stündliche oder auch viertelstündliche Strompreisanpassungen möglich - dafür diente u.a. auch die flächendeckende Installation von Smart-Metern welche eine derartige Abrechnung möglich machen.
Während normale Stromtarife in der Regel alle 6 Monate (auch an einen gebundenen Index) angepasst werden (nach oben oder unten möglich...), erfolgt bei Floatertarifen die Abrechnung nach dem gewünschten Intervall. Zumeist werden hier mittlerweile die besonders genauen Viertelstunden-Abrechnungen angeboten.
Der in den jeweiligen Zeiten verbrauchte Strom wird dann mit dem zugrundeliegenden Börsenpreis (häufig bei uns der EPEX Spot AT) abgerechnet. Dieser Börsenpreis wird schon am Tag vor dem Stromverbrauchstag ermittelt.
Angeboten werden Flex-Tarife/Floatertarife/Dynamische Stromtarife mittlerweile von fast allen Stromanbietern. Das liegt einerseits am Interesse von Firmen einen (kleinen) Teil des Stromverbrauchs risikolos zu verkaufen (das Strompreisrisiko für kurzfristige Stromeinkäufe fällt somit weg), andererseits gibt es mittlerweile auch gesetzliche Vorschriften, einen solchen Tarif anzubieten.
Kann man als Inhaber eines Floatertarifes (oft auch Flex- oder Spot-Tarif genannt) seinen Stromverbrauch so lenken, dass dieser primär in Zeiten mit niedrigen Strompreisen anfällt (moderne Haustechnik ist hier oft hilfreich), so kann ein Floatertarif durchaus vorteilhaft sein.
So kann man z.B. Starkverbraucher so programmieren, dass sie genau dann Strom verbrauchen, wenn dieser besonders günstig ist. Das ist meistens dann der Fall, wenn weniger Strom verbraucht wird (z.B. in den späteren Nachtstunden) oder auch dann, wenn gerade besonders viel Strom produziert wird.
Derartige Stromüberschüsse kommen durch den starken Ausbau der Photovoltaik von Frühling bis in den Frühherbst häufiger vor - oft kommt es da sogar an den Börsen zu negativen Strompreisen. Diese kann man dann als Inhaber eines Floaters z.B. sehr gut zum Laden eines Elektroautos nutzen. Hat man noch kein E-Car sind natürlich auch weitere "Großverbraucher" wie Warmwasser, Waschmaschine, Geschirrspüler, Wäschetrockner, Staubsauger, Herd, Backrohr etc. genau in Zeiten mit niedrigen Börsestrompreisen sinnvoll einzusetzen.
So mancher Schlauberger wird sich bezüglich Floatertarifen schon gedacht haben: Gut, dann nehme ich in der billigen Zeit (Frühling bis Herbst) einen Floatertarif und wechsle dann im Winter zu einem Fixtarif…
Die steigenden Strompreise in der Wintersaison sind aber natürlich auch den Anbietern nicht entgangen: Dass wir in Österreich (und wohl auch in ganz Europa) im Winter mehr Strom benötigen und weniger davon produzieren (=normalerweise deutlich höhere Preise) ist nicht neu.
Daher weisen die Floater-Tarife zumeist auch eine Mindestlaufzeit von einem Jahr auf.
Während man mit Floatern bei sinkenden Strompreisen schneller profitiert als Menschen mit "Normaltarif" tritt bei steigenden Strompreisen natürlich auch das Gegenteil ein: Die Strompreise steigen ebenso rasch an wie sie das gerade an den Börsen tun...
Für Menschen mit schlechten Nerven sind Flex-Tarife also weniger empfehlenswert - auch für Stromkunden mit Finanzkraft ist ein Floater wohl eher zu riskant. Denn rasch können (wie z.B. 2022/2023 anlässlich des Überfalls auf die Ukraine) die Börsenstrompreise massiv in die Höhe gehen und der Floater wird zum schweren "Verlustgeschäft".
Kann man aber den eigenen Stromverbrauch flexibel an die Strompreise anpassen, sollte a la longue durchaus eine Ersparnis drin sein.
Bei dynamischen/flexiblen Stromtarifen ist auch noch unbedingt zu erwähnen, dass es auch da keinen Gratisstrom gibt: Auch wenn negative Strompreise vorhanden sind (passiert mittlerweile doch häufiger in der sonnigen Jahreszeit - insbesondere knapp vor und nach der Mittagszeit) und diese Ihnen (abzüglich der Gebühr für den Stromanbieter) auch gutgeschrieben werden - die Netzkosten, Steuern und Abgaben müssen Sie trotzdem bezahlen! Und die sind in der Regel schon deutlich höher als der ersparte Anteil des Strompreises.
So Ihnen das Risiko eines Floatertarifes nicht zu groß ist, bietet sich zuerst einmal ein Vergleich der Tarife an. Relevant ist hier neben der Bindungsdauer natürlich der zugrundeliegende Stromindex sowie auch der Preisaufschlag des Stromanbieters. Auch die laufenden Grundgebühren des Anbieters sollten Sie sich vorher unbedingt ansehen.
Der Aufschlag zum jeweiligen Börsepreis von Strom ist der eigentliche Verdienst des Stromanbieters bei solchen Floater-Tarifen und liegt in der Regel zwischen 1,5 bis 2,5 Cent pro kWh.
Liegt bei einem Aufschlag von 2 Cent pro kWh der Börsenstrompreis gerade bei 10 Cent, zahlen Sie (exklusive Netzgebühr, Steuern und Abgaben) 12 Cent für die kWh. Liegt z.B. ein Negativpreis von 6 Cent vor, erhalten Sie 4 Cent Gutschrift, müssen aber Netzgebühr, Steuern und Abgaben natürlich sehr wohl bezahlen.
Risikolos sind Floater-Tarife aber keinesfalls - für strenge Rechner mit Finanzreserven und Stromverbrauchsoptimierer können (aber nicht "müssen") sich da schon einige Euro Ersparnis ausgehen...
Die Geldmarie selbst hat derzeit keinen Floater-Tarif. Da in der warmen Jahreszeit fast kein Strom verbraucht wird (Photovoltaik am Dach + Batteriespeicher vorhanden), sind die "Billigzeiten" eines Floaters kaum rentabel und wenn dann doch viel Strom aus dem Netz benötigt wird (Luft-Wärmepumpe zum Heizen), ist dieser an der Börse zumeist recht teuer. Auch ist noch kein Elektroauto im Haushalt vorhanden...
Floatertarife gibt es übrigens auch schon für Erdgas - hier ist dann wohl noch etwas größere Vorsicht geboten als beim Strompreis...
Geldmarie-Linktipps: