Prinzipiell ist es ja keinesfalls ein Fehler, wenn die Politik in Österreich sich ein wenig den Kapitalmärkten nähert. Zu viel Geld liegt immer noch schwach verzinst bzw. unverzinst auf Konten und Sparbüchern. Und auch die Anlageprodukte für Babys bzw. Kinder sind hierzulande noch wenig verbreitet bzw. auch unbekannt.
Federführend die ÖVP und die NEOS sowie auch die SPÖ (wohl mit etwas weniger Begeisterung) haben sich nun auf ein sogenanntes "Zukunftsdepot" geeinigt. Hier die ersten (bisweilen bekannten) Details zum Zukunftsdepot:
Dieses kann ab dem 1.7.2027 für ab dem 1.1.2027 geborene Kinder (Details weiter unten) angelegt werden und mit der Anlage erhält das Kind/Baby auch eine Erstgutschrift von 500 Euro vom "Vater Staat".
Wird für das Kind bis zum 3. Geburtstag kein Depot angelegt, legt der Bund ein solches Depot für das Kind an.
Über das Depot kann das Kind (und nur dieses) dann ab dem 18. Geburtstag frei verfügen. Für Kinder und Jugendliche die schon vor dem 1.1.2027 geboren wurden, ist ebenfalls das Eröffnen eines Zukunftsdepots möglich - diese erhalten aber die 500 Euro "Startbonus" nicht.
Auch ein laufender Aufenthalt in Österreich (bis zur Volljährigkeit 15 Jahre rechtmäßiger Aufenthalt in Österreich) scheint Voraussetzung für die Gewährung des Startbonus zu sein. Begünstigt sind österreichische StaatsbürgerInnen und rechtlich Gleichzubehandelnde (z.B. EU- und EWR-Bürger sowie Asylberechtigte. Hier könnte es noch rechtliche Nachbesserungen geben müssen...
Die Eltern können zur Basis der 500 Euro (erhält jedes Kind) laufend Einzahlungen tätigen. Und zwar pro Jahr immerhin bis zu 5.000 Euro - das wären bei einer monatlichen Einzahlung immerhin fast 417 Euro.
Die Vorteile (neben dem Geschenk von 500 Euro): Die Veranlagung erfolgt spesenfrei (ohne Depotgebühr) und (was besonders attraktiv ist) auch ohne Abzug der KESt.
Die Veranlagung können die Eltern selbst bestimmen: Nach bisherigen Informationen kann man zwischen Bundesschätzen (Sicherheitsvariante) und nach UCITS regulierten Wertpapieren in Form von Fonds wählen. Ob hier noch mehrere Veranlagungsmöglichkeiten bzw. Anlagevarianten geboten werden bzw. ob man diese während der Laufzeit auch wechseln kann, ist noch offen.
Gerade die Möglichkeit, die Veranlagung ändern zu können, erscheint der Geldmarie absolut notwendig zu sein: Hat man z.B. für ein 17-jähriges Kind schon viel einbezahlt und die Veranlagung hat sich auch sehr gut entwickelt, sollte man die "Schäfchen ins Trockene bringen" können.
Auch noch nicht wirklich bekannt ist, wer diese Depots (kostenfrei) führen wird. Aktuell wird hier primär von Banken gesprochen - gut möglich, dass sich hier aber auch noch Versicherungen oder Bausparkassen ins Gespräch bringen wollen. Gerade das ohnehin immer weniger populäre Bausparen würde wohl noch weiter unter Kapitalabflüssen leiden - viele Eltern machen derzeit einfach 3x 6 Jahre lang einen Bausparvertrag...
Neben der Anspruchsbedingung "Staatsbürgerschaft Österreich" kommt berechtigte Kritik wohl auch aus der Ecke der NGO`s und der Arbeiterkammer: Das Zukunftsdepot maximal zu besparen (5.000 Euro pro Jahr) können sich wohl nur ganz wenige Menschen leisten. Die soziale Ausgewogenheit beschränkt sich hier ausschließlich auf die 500 Euro "Startgeld"!
Zahlt man 18 mal die möglichen 5.000 Euro ein, so resultieren hier daraus (noch ohne Zinsen) immerhin 90.000 Euro (plus 500 Euro Startbonus). Dazu kommen noch die in den 18 Jahren angefallenen steuerfreien Gewinne. Und genau hier verliert der Staat dann wirklich relevante Summen an KESt-Einnahmen!
Steuern, die wir im Staate Österreich wohl ohnehin benötigen und die Menschen, die sich 5.000 Euro Sparleitung pro Kind und Jahr leisten können, wohl durchaus zahlen könnten.
Die Geldmarie meint: 1.200 Euro maximale Einzahlung pro Jahr (wie beim Bausparen) wären völlig ausreichend und sozial gerechter - und wenn wir schon so viel zukünftige KESt-Erträge zu verschenken haben, könnten wir ja das Bausparen wieder etwas attraktiver machen als es schon seit vielen Jahren ist...
18 mal 1.200 Euro würden dann ja auch immerhin 21.600 Euro (plus 500 Euro Startbonus, plus kestfreie Erträge) ergeben - wer mehr für seine Kinder ansparen kann (für Ausbildung, Erstwohnung, Erst-KFZ oder auch den Berufsstart), hat ohnehin viele andere Möglichkeiten.
Ad hoc-Meldung - Oktober 2026