"Land der Berge, Land am Strome, Land der Äcker, Land der Dome..." beginnt die (fade) österreichische Bundeshymne - und inkludiert damit auch die Landwirtschaft bzw. Landschaft Österreichs. Die ist zweifelsohne nicht unhübsch geraten und auch unsere Landwirte/Bauern tragen dazu kräftig bei.
Deutlich weniger Betriebe bzw. in der Landwirtschaft tätige Menschen stehen einer immer höheren bzw. oft auch gleichbleibenden oder nur leicht sinkenden Produktion von landwirtschaftlichen Gütern aller Art entgegen.
Ein Trend, der nicht nur in Österreich zu bemerken ist (und auch nicht nur auf die Landwirtschaft zutrifft - siehe "Greißlersterben", "Wirtshaussterben" etc.) - Österreich hat aber traditionell eine sehr kleinstrukturierte Landwirtschaft. Kleinere Bauernhöfe, wenig Großbauern - da ist schon (auch ob der Globalisierung) klar, dass sich die heimische Agrarlandschaft immer mehr internationalen Trends anpassen musste und muss.
Die letzte verfügbare Agrarstrukturerhebung der Statistik Austria erschien 2025 und zeigt einen Vergleich der österreichischen Agrarwirtschaft der Jahre 2020 und 2023. Und macht dabei deutlich, wie rasch sich die Agrarstruktur in Österreich verändert:
In nur 3 Jahren (2020 bis 2023) ist lt. Statistik Austria die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe um 8,8% auf 101.036 Betriebe gesunken. Gezählt wurden dabei Landwirtschaften mit Feldanbau, Nutztierhaltung und auch Pilzzuchtbetriebe. Bei Veröffentlichung dieser Statistik im Jahr 2025 lag diese Zahl wohl schon deutlich unter 100.000 und schrumpft Tag für Tag...
Von den 101.036 Betrieben wurden 2023 53% der landwirtschaftlichen Betriebe im Haupterwerb geführt und 44% im Nebenerwerb (Rest: Gemeinschaften oder juristische Personen). 2020 waren es noch 50% in Haupterwerb und 46% im Nebenerwerb.
Diese Verschiebung zum Haupterwerb resultiert (neben der Schrumpfung im Nebenerwerb) auch aus der Tatsache, dass die "überlebenden" Betriebe größer geworden sind: Im Schnitt hatte 2023 ein Betrieb im Durchschnitt 25,6 Hektar (ha) Land zu bearbeiten, 2020 waren es noch 2 Hektar weniger. So wurden durch Pensionierungen bzw. Hofaufgabe so manches Feld von bestehenden Landwirten hinzugekauft bzw. auch (wie nicht unüblich) an andere Landwirte verpachtet.
Während die Betriebsanzahl in 3 Jahren um 8,8% schrumpfte, ging die Anzahl der Beschäftigten in den landwirtschaftlichen Betrieben gar um 9,9% zurück. 304.974 Beschäftigte wurden seitens Statistik Austria 2023 gezählt - 78,6% davon waren aus der Bauernfamilie selbst.
Von den 101.036 landwirtschaftlichen Betrieben waren es immerhin 75.559 Betriebe, welche auch (bzw. teilweise auch ausschließlich) Nutztiere (Kühe, Schweine, Schafe, Ziegen, Hühner etc.) hielten.
Steigend auch noch der Anteil der Betriebe, welche nach biologischen Richtlinien wirtschaften: 24.052 Betriebe taten dies und damit kommt man immerhin auf 23,8% aller Betriebe. 2020 lag dieser Wert noch bei 22,4 Prozent.
Nimmt man zur Landwirtschaft auch noch die (verwandte) Forstwirtschaft (mit Wäldern ab 2 Hektar Größe) dazu, kommt man (anno 2023) immerhin auf 152.660 Betriebe, die sich mit Land- und/oder Forstwirtschaft ihren Lebensunterhalt teilweise oder gänzlich verdienen.
Auch die landwirtschaftlich genutzte Fläche in Österreich schrumpft - wenn auch weniger stark wie die Anzahl an Landwirten: 2.571.719 ha erfasste die Statistik Austria für das Jahr 2023 - 1,1% weniger als noch 2020. Die Versiegelung lässt grüßen...
Gerade in der Tierhaltung merkt man den Trend zum "Werde größer oder hör auf": Standen 2020 noch im Duchschnitt noch 34 Rinder im Stall eines Betriebes, so waren es Mitte 2025 deren schon 36. Bei den Schweinen erhöhte sich die Durchschnitts-Schweinestall-Besetzung (Zahlen aus 2023) von 112 auf 119, bei den Schafen erhöhte sich die Anzahl von 33 auf 35 und aus 12 Ziegen im Durchschnittsbetrieb wurden mittlerweile 14.
Per 1.6.2025 waren übrigens rund 1,79 Mio. Rinder und 2,49 Mio. Schweine in den heimischen Ställen untergebracht - bei beiden Tierarten gab es im Vergleich zu 2024 leichte Rückgänge.
In der Landwirtschaft dominiert weiterhin Niederösterreich: 26.981 Betriebe zählte die Statistik Austria 2023. Es folgt Oberösterreich mit 20.634 Betrieben und dann die Steiermark mit 19.549 Betrieben. In Wien gab es übrigens auch 455 landwirtschaftliche Betriebe - gut möglich, dass es sich hier zumeist um Gärtner, ein paar Weinbauern sowie Pilzüchter handelt;-)
"Größer werden" war lange Zeit das Non-Plus-Ultra in der Landwirtschaft - und wird auch heute noch zwecks Überleben im globalisiertem Marktumfeld empfohlen. Auch von den Lokalbanken, die mit der Finanzierung zumeist sehr gut verdienen...
Viele heimische Landwirtschaften werden auch heute noch im Nebenerwerb betrieben - und könnten mangels Nachfolger (immerhin handelt es sich beim Bauernberuf schon um "richtige" Arbeit, die immer weniger Leute interessiert) schon bald zum Verkauf stehen. Hatten Bauernhöfe vor Jahrzehnten noch viel Nachwuchs aus dem man den besten Nachfolger wählen konnte, ist die Nachwuchsproblematik bei einer Geburtenrate von 1,3 Kinder pro Frau evident!
So mancher Jungbauer hat aber auch schon erkannt, dass es nicht ideal ist, für große Konzerne zu schuften - und ist die die Direktvermarktung eingestiegen. Ein paar feine Produkte, ein paar Abnehmer in der Gastronomie und ein Onlineshop oder gar ein Hofladen können da schon Wunder bewirken...
Gerade in kleinbäuerlichen Strukturen ist auch zumeist bessere Qualität als z.B. in der Massentierhaltung zu erwarten - das darf den Konsumenten (zumindest jenen, die zumindest dem Mittelstand angehören) da und dort schon ein paar Cent mehr wert sein. Denn je mehr Kleinbauern ihren Bauernhof für immer schließen, desto mehr Ware kommt früher oder später aus bäuerlichen Großbetrieben (wo der Bauer schon mehr am PC sitzt als am Traktor).
Fix ist leider auch, dass die Agrarhandelsbilanz Österreichs seit vielen Jahren negativ ist (mehr Importe als Exporte) - den "Feinkostladen Österreich" sollte man demnach beim Einkaufen unbedingt im Auge behalten. Dass man wegen 10 Eiern nicht extra zum Bauern aufs Land fährt, versteht sich natürlich von selbst. "Made in Austria" ist aber beim Lebensmitteleinkauf absolut wichtig - das sorgt in der Regel auch für höhere Tierhaltungsstandards in den Ställen...
In der Schweinezucht hat Österreich übrigens einen Selbstversorgunggrad von deutlich über 100%, beim Gemüseanbau liegt dieser Prozentsatz in Sachen Selbstversorgung unter 60 Prozent. Liegt wohl auch an der heimischen Witterung...
Nach vielen lobenden bzw. unterstützenden Zeilen über die heimischen Landwirte nun auch noch 2 negative Aspekte:
Die Landwirtschaft kostet uns ob (notwendiger) Subventionen indirekt viel Steuergeld. Ohne EU-Förderungen wären noch viel mehr Betriebe längst pleite. Hier darf ich mir wünschen ("Brief ans Christkind") dass die EU kleinere Betriebe deutlich höher fördert und das dafür notwendige Geld bei Riesenbetrieben einspart. Hier via "Gießkanne" zu fördern, ist falsch...
Problematisch sind leider auch die Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft. 19% dieser Emissionen (primär wohl Methan aus der Kuhhaltung) waren 2023 der Landwirtschaft zuzurechnen - ein ziemlich hoher Prozentsatz. Senken lässt sich dieser leider nur sehr langsam. Durch Änderung bei der Fütterung sowie auch im Konsumverhalten (mehr Vegetarier bzw. Veganer) werden die Treibhausgasemissionen aber wohl (langsam) weiter sinken. Und vielleicht importiert man (insbesondere in der Massenhaltung) zukünftig auch weniger Soja aus Südamerika - das spart dann auch viel CO2 ein.
Ziemlich unnötig finde ich auch die -nach wie vor bestehenden- Förderungen für Agrardiesel, zweifelsohne eine umweltschädigende Subvention welche sich mit einer faireren Verteilung von EU-Förderungen (siehe oben) leicht kompensieren ließe. So manche Agrar-Lobbyisten (primär für Konzerne tätig) haben da aber wohl etwas dagegen - und der Kleinbauer fürchtet sich, dass man ihm ein paar Euro wegnimmt. Und die ÖVP dann vor der nächsten Wahl...;-)
In Summe gilt aber: Lasst die heimische Landwirtschaft leben, "Made in Austria" ist hier besonders wichtig!
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