Wer Münzen sammelt (aus Leidenschaft oder auch zwecks Vorsorge) und sich für das Thema näher interessiert, bekommt da und dort oft Münzangebote zu sehen, deren Seriosität höchst zweifelhaft ist. Ein zweiter Blick auf solche scheinbar günstigen Angebote ist absolut zu empfehlen (und oft auch die Nachfrage bei Experten) - zumeist kann man aber bei vielen Angeboten auch Entwarnung in Sachen Betrugsabsicht geben.
Denn Nachprägungen, Repliken (Nachahmungen) oder auch Fehlprägungen sind zumeist gar nicht mit böser Absicht hergestellt und können durchaus wertvolle Münzen sein - es gilt aber jedenfalls hier die Spreu vom Weizen zu trennen:
Als "Nachprägung" einer Münze (die in der Regel eine Sammlermünze ist) bezeichnet man Münzen, deren auf die Münze geprägtes Jahr vor dem effektiven Präge- bzw. Ausgabedatum der nachgeprägten Münze liegt.
Die Nachprägung ist dann eine korrekte Nachprägung, wenn auch das Gewicht sowie Material mit der "Ursprungsmünze" ident ist. Das Motiv auf beiden Münzseiten sowieso.
In Österreich gibt es hier gleich einige Beispiele von populären Nachprägungen:
Golddukaten (Prägejahr der Nachprägung ist 1915) einfach und vierfach, Goldgulden (Prägejahr 1892 sind Nachprägungen, 2 Varianten von Nachprägungen erhältich) sowie Goldkronen (Prägejahr der Nachprägungen 1912, 3 Varianten zu haben) sind 3 sehr beliebte Goldmünzen, die auch heute gerne als Geschenk bei der Münze Österreich bzw. im Fachhandel gekauft werden.
Auch immer noch neu als Nachprägung geprägt: Der Maria-Theresien-Taler in Silber mit dem Prägejahr 1780. Mit der Jahreszahl 1780 (Sterbejahr Maria Theresias) wurden vom Maria-Theresien-Taler übrigens auch schon im 18. Jahrhundert viele Nachprägungen hergestellt.
Wichtig bei Nachprägungen ist primär, dass diese -was Material, Gewicht und Motiv betrifft- exakt den historischen Originalmünzen entsprechen. Nachprägungen sind in der Regel etwas weniger wert als die historischen Originale (mit unterschiedlichen Jahreszahlen auf der Münze) - ob unbegrenzter Nachprägung sind die Auflagen der nachgeprägten Münzen sehr hoch und haben demnach keinen Sammlerwert. Handelt es sich aber um offizielle Nachprägungen, ist zumindest der Materialwert relevant und solide.
Handelt es sich bei einer Münze um eine "Replik", ist Vorsicht geboten:
Bei Repliken handelt es sich um Nachahmungen von Münzen. Das Motiv entspricht hier in der Regel exakt der Originalmünze, das Material bzw. oft auch das Gewicht und die Größe der Münze hingegen schon weniger.
Repliken werden oft gar nicht in böser Absicht gefertigt und soweit die "technischen Daten" der Münze (Material, Feingehalt, Gewicht, Größe, Motiv) beim Verkauf auch offen und klar angegeben wird, kann es sich durchaus um seriöse Repliken handeln.
So haben wir auch schon eine Replik einer Goldmünze aus dem Kaiserreich Deutschlands gesehen, welche die 20-Mark-Goldmünze mit Kaiser Wilhelm I (Preussen) darstellen soll. Diese hat aber nur einen Gold-Feingehalt von 585/1000 Teilen (Original: 900/1000) und wiegt auch nur 3,6 Gramm (Original: 7,96 Gramm). Da kann man (so man nicht genau hinsieht) als Laie schon kräftig "einfahren"...
Auch wenn hier seitens Verkäufer alles korrekt angegeben wird und die Münz-Repliken von einer angesehenen Prägestätte stammen: Solche Münzen sind für Sammler und Anleger normalerweise völlig uninteressant und werden zumeist auch nur mit kräftigen Abschlag zum Materialwert gekauft.
Rechtlich gesehen sind solche Repliken von Münzen (im Normalfall von populären historischen Münzen aus Silber oder Gold) in den meisten Ländern erlaubt - insbesondere wenn diese einen Nominalwert eingeprägt haben, den es aktuell nicht mehr gibt (z.B. Taler, Kronen, Mark, Schilling, Gulden etc.).
Eine Fehlprägung ist oft mehr wert, als die "supersauber" geprägten Originalmünzen. Hier bestimmt der Sammlermarkt bzw. auch die Geschichte der jeweiligen Fehlprägung den Preis.
So gibt es in Österreich auch einige "Fehlprägungen von Nachprägungen": Beim einfachen Golddukaten wurde dereinst statt dem Prägejahr "1915" das Jahr "1951" eingeprägt. Solche Golddukaten (266 soll es davon geben) sind gefragte Sammlerstücke!
Bei den meisten sogenannten Fehlprägungen sollte man aber wirklich Experte im jeweiligen Münzgebiet sein: Da kommen nämlich oft auch skurril beschädigte Münzen zum Verkauf, deren "Fehlprägung" wohl vom Verkäufer selbst manipuliert wurde...
Womit wir auch schon beim tatsächlichen Betrugsversuch wären:
Hier weichen die angebotenen Münzen absolut von den Originalen ab.
Zumeist unterscheiden sich die Münzen schon beim Material. Statt Silber oder Gold werden minderwertige Metalle verwendet, die optisch wie Gold oder Silber erscheinen. Im Normalfall ähneln diese Münzen den Originalmünzen, der Experte erkennt aber sehr rasch die Nachahmung bzw. Fälschung.
Ein wesentliches Erkennungsmerkmal solcher Münzen beim Kauf via Internet: Sie haben einen scheinbar sehr günstigen Preis! Echte Gold- oder Silbermünzen verkauft aber niemand unter Wert...
Ersparen Sie sich also solche "Schnäppchen", die oft in Fernost gefertigt werden - bei unseriösen Verkäufern ist es nämlich nahezu unmöglich, hier einen Kauf rückabzuwickeln. Auch wenn solche Verkäufer die tatsächlichen Eigenschaften der Münzen im Text erwähnen (oft gut versteckt...) - auch einen geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul...
So bei solchen Angeboten "Copy", "Replica" etc. deutlich zu erkennen ist, der Preis inklusive Versand o.k. ist und ihnen auch eine Münz-Nachbildung reicht, kann man natürlich auch schöne Nachahmungen erwerben. So Sie sich davon wieder trennen wollen, wird das allerdings schwierig...
Für alle hier genannten Varianten gilt: Beschreibungen (so vorhanden) vor dem Kauf gut Lesen, auf die Seriosität des Verkäufers achten!