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Bank für Gemeinwohl vor dem Aus


Projekt Bank für Gemeinwohl vorerst gescheitert

Schade, schade - aus der Gründung einer "Bank für Gemeinwohl" in Österreich wird wohl so rasch nichts. Seit September 2015 sammelte die Genossenschaft "BfG Eigentümer/-innen- und Verwaltungsgenossenschaft eG" dafür Geld (6 Mio. für einen Vollbank-Lizensantrag), nunmehr wurde nach einem negativen Bescheid der FMA in Sachen Zahlungsinstitutkonzession (eine Vorstufe zur Vollbank) das Bankenprojekt auf Eis gelegt.

Hohe Verluste für Genossenschaftsmitglieder

Rund 4,2 Mio. Euro konnten von rund 6.000 Genossenschaftsmitgliedern bisher eingesammelt werden, zuletzt fraßen aber die (recht hohen) Fixkosten (rund 50.000 Euro monatlich) die Spendenbeiträge bzw. neuen Genossenschaftsbeiträge (im ersten Quartal 2018 nur noch knapp über 5.000 Euro!) komplett auf und das Genossenschaftskapital schrumpfte von Jahr zu Jahr. 2015 setzte es für die Genossenschaft 511.000 Euro Verlust, 2016 waren es deren schon rund 880.000 Euro und 2017 gar 1,14 Mio. Euro (Nachtrag: Danke der GFGM für die korrekten Zahlen!).

Kein Wunder, wenn hohen Personalkosten nahezu keine Einnahmen gegenüberstehen, das 2017 gestartete "Crowdfunding für Gemeinwohl" (welches jetzt noch ein Hoffnungsträger für die Genossenschaft ist) lief zwar recht nett und sinnvoll an, konnte aber deutlich zu wenig Erträge einbringen.

Nachdem auch die deutsche GLS-Bank an keiner Kooperation mit der Genossenschaft interessiert ist, wurden die Bankenpläne zur reinen Illusion und der Bankenvorstand möchte in einer Genossenschafterversammlung am 8. September einen Abwicklungsantrag stellen. Die Anteilszeichner der Genossenschaft würden dann den rechnerischen Restwert ihrer Anteile (per Ende 03/2018 rund 40%, bis zur Abwicklung wohl rund ein Drittel) zurückbezahlt bekommen.

Auch eine Weiterführung mit strategischer Neuausrichtung (nur konzessionsfreie Finanzdienstleistungen wie Crowdfunding, Crowdinvesting etc.) wäre möglich - allerdings wohl nur, wenn genug Genossenschafter ihre Anteile nicht abziehen.

Blamage für österreichische Gemeinwohlszenerie

So hart das auch klingt: Für das linke bzw. linksliberale Weltbild in Österreich ist das Scheitern der Gründung eine ziemliche Bankrotterklärung. Im wahresten Sinne dieses Wortes...

Trotz prominenter Unterstützung ist (in vielen Jahren des Versuchs) nicht gelungen, 6 bis 15 Mio. Euro Kapital für die Gründung einer ethisch einwandfreien Vollbank aufzustellen. Da hilft auch das Raunzen über die (durchaus schweren) Auflagen seitens FMA nichts...

Die Gründe für das Scheitern sind ausgesprochen unterschiedlich: So neigen linksdenkende Menschen traditionell grundsätzlich nicht sehr dazu, eine Bank zu gründen. Und wenn schon, dann werfen sie natürlich auch nicht viel Kapital in solche Versuche. Anleger hatten (mangels Minirenditeversprechen wie bei anderen, ähnlichen Projekten) überhaupt keinen Anreiz, zu investieren/anzulegen - eine Gewinnorientierung bzw. eine Ausschüttungsoption gab es von Anfang an nicht.

Darüber hinaus darf man schon die Frage stellen, warum sich seitens FMA vor einem reinen Zahlungsdienstleister fürchten muss und der Genossenschaft jede Menge bürokratische Prügel vor die Füße legt. In Österreich ein Zahlungsinstitut oder gar eine Bank zu gründen, bleibt weiter nur dem Großkapital vorbehalten...

Der größte Fehler war aber wohl, sich schon sehr bald hohe Fixkosten aufzubürden und auch Gehälter zu zahlen. Das Genossenschaftsvermögen (welches ja eigentlich für den Konzessionsantrag gedacht war) wurde damit zu rasch aufgebraucht, ein Scheitern (Fehlverhältnis Ausgaben-Einnahmen) hat sich daher schon länger abgezeichnet.

Keine Frage: Natürlich wurde hier seitens der Angestellten Arbeit geleistet - man sollte sich aber bei einem derartigen Projekt schon auch die Frage stellen, ob man hier nicht gänzlich auf Freiwillige setzt. Dann würde es zwar länger dauern, der Erfolg wäre aber deutlich wahrscheinlicher...

Eine schwere Niederlage für die politische bzw. soziale Linke - wenn da aber jetzt "das Kapital" bzw. insbesondere die heimische Rechte blöd lacht, sei an die Geschicke einer gewissen Hypo Alpe Adria in Kärnten erinnert, wo nicht nur ein paar Millionen Euro an Personal- und Werbekosten in den Sand gesetzt wurden sondern -mit freundlicher Mitwirkung der Kärtner Politiker- ein Milliardengrab geschaufelt wurde. Also: Silencium!

Ad hoc-Meldung - Juni 2018
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Zuletzt verändert: 20. 06. 2018, 13h39