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Energiewende bei Strom auch 2019 stark eingebremst


Klimastrategie der Regierung: Papier ist geduldig

2018 hat die österreichische Bundesregierung eine Klimastrategie ausgearbeitet und beschlossen, welche man ab 2019 umsetzen möchte. Unter #mission2030 ist diese Klima- und Energiestrategie auch im Web zu finden (einfach in Google eingeben) und zu lesen. Tut man dies, wird man (insbesondere in Sachen Strom) feststellen: Papier ist geduldig.

100% erneuerbarer Strom bis 2030 - nur wie?

Bis zum Jahr 2030 plant man da seitens Regierung, 100% des heimischen Strombedarfs aus erneuerbarer Energie herzustellen - das natürlich nur rechnerisch, da ja zwischen Österreich und den Nachbarländern ständig Stromaustausch stattfindet.

Ein durchaus ambitioniertes Ziel, auch wenn die Ausgangslage in Österreich (im internationalen Vergleich) in Sachen Stromproduktion schon gut ist: 2017 wurden immerhin 72,2% des österreichischen Stromverbrauchs durch erneuerbare Energien erzielt, das ist europaweit ein Spitzenwert.

Dass die Reise zu den anvisierten 100% eine lange und schwere Reise wird, zeigt aber schon die Tatsache, dass 2017 der Erneuerbarenanteil am Stromverbrauch (erstmals seit 2010) sogar gesunken (um 1,2%) ist - hauptschuldig daran war die im Jahr 2017 schwache Wasserkraft.

Wiewohl 2017 die Stromerzeugung aus Erneuerbaren (hauptsächlich dank eines guten Windjahres) um 0,5% angezogen hat, ist der Gesamtstromverbrauch Österreichs 2017 um 2,2% auf 74 Mrd. kWh gestiegen.

Für 2018 (Werte kommen wohl erst wieder spät im Jahr 2019) darf man eine sogar noch schlechtere Entwicklung voraussagen: Die gute Wirtschaftslage lässt den Stromverbrauch ansteigen, immer mehr Kühlgeräte, ein steigender Bestand an Elektroautos sowie strombetriebene Luft-Wärme-Pumpen zur Wärmeversorgung von Neubauten und auch ein leichtes Bevölkerungswachstum sorgen laufend dafür, dass der Stromverbrauch in Österreich weiter steigen wird.

Bei der Stromerzeugung mit Erneuerbaren sah es hingegen 2018 übel aus: Extremes Niederwasser vom Frühling bis in den Winter lassen die Wasserkraft wohl auch 2018 ziemlich einbrechen, der Wind wehte 2018 ebenso deutlich unter den Erwartungen, die Photovoltaik (Solarstrom) kommt nur sehr langsam in Schuss und die -ohnehin sehr bescheidene, weil teure- Stromerzeugung aus Biomasse dümpelt dahin.

Da der Stromverbrauch in Österreich wohl auch 2018 kräftig gestiegen ist, wird die Energiebilanz 2018 mit einiger Sicherheit ziemlich "beschissen" aussehen.

Deutschlands Strom ist dreckig, wird aber grüner

In Deutschland ist man in Sachen Energiewende -insbesondere beim Strom- seit Fukushima und dem dann folgenden Atomstromausstieg (läuft noch bis 2022, derzeit noch 7 Atomkraftwerke in Betrieb) besonders fleißig - wiewohl auch besonders gefordert: Ein Gros der Stromerzeugung erfolgte nämlich in den letzten Jahren noch mittels extrem unweltfeindlicher Braun- und Steinkohle.

2013 wurden mittels Braun- und Steinkohle noch 46,9% der deutschen Stromerzeugung erzielt, 2018 waren es (lt. Zahlen von Fraunhofer ISE) "nur" noch 38%. Jahr für Jahr wird aber insbesondere die umweltschädigende Steinkohle (Ende 2018 schloss Deutschlands letztes Steinkohlebergwerk, Braunkohlewerke und Reserven an Braunkohle gibt es in Deutschland noch massenhaft!) reduziert.

Dafür ist in Deutschland ein sehr solides Wachstum bei erneuerbaren Energieträgern zu beobachten: Waren es 2010 noch bescheidene 19,2% der Nettostromproduktion, konnte man diesen Wert bis 2016 schon auf 33,5% steigern, 2017 waren es schon 38,2% und 2018 schaffte man schon 40,4%.

Lt. ISE Fraunhofer entfallen 2018 20,4% der deutschen Stromerzeugung auf Windkraft, 8,4% waren Solarstrom, 8,3% aus Biomasse und (weiterhin bescheidene) 3,2% entfielen auf Wasserkraftwerke. Gut möglich, dass Windkraft 2019 sogar schon die Braunkohle überholt!

Österreich stagniert bei Ökostrom

Dass sich die unterschiedlichsten Interessensvertretungen (von Windkraft, Biomasse, Solarenergie bis hin zu Wirtschaftskammer, Bauernbund oder AK) in den letzten Wochen und Monaten mit Aussendungen gegenseitig Zahlen vorgerechnet und vorgeworfen haben, liegt wohl in der Natur jeder Interessensvertretung.

Die Tatsache des Klimawandels wagen aber zuletzt nicht einmal mehr Spitzenfunktionäre der FPÖ zu leugnen (das wird dann oft ziemlich peinlich umschifft) - und dass 2018 in Österreich ein verlorenes Jahr in Sachen Klimaschutz war, werden die Zahlen (die bei uns leider deutlich länger auf sich warten lassen werden) beweisen.

Auch 2019 kann nur gute Wasserführung und viel Wind (neuer Österreichrekord bei der Windkraft: 2.1.2019 - 66 GWh, 33% der Gesamtmenge) die Ökobilanz beim Strom halbwegs brauchbar aussehen lassen - ein reines Glücksspiel...

In fast allen Bereichen der erneuerbaren Stromerzeugung herrscht aktuell ziemlich Stillstand bzw. sogar Rückschritt:

Die Photovoltaik wächst zwar nett und erhält auch Jahr für Jahr ein paar Euro Bundesförderung (die dann sehr rasch weg ist), auf Landesebene sind die Förderungen für Photovoltaik- und Kleinspeicher aber sehr unterschiedlich geregelt. Da und dort gibt es Förderungen, dann und dort aber auch wieder nicht. Eine landesweit einheitliche Offensive würde da deutlich mehr Sinn ergeben. Ob das "100.000-Dächer-Programm" im Rahmen der Regierungs-Klimastrategie hier Abhilfe schaffen kann, ist mangels klarer Aussagen im Programm noch sehr fraglich.

Dabei müsste man gerade bei der Photovoltaik gar nicht mehr viel fördern: Die Neuinstallation einer durchschnittlichen Photovoltaikanlage im Privathaushalt sollte sich dieser Tage sogar schon ohne Förderungen locker amortisieren! Rechenbeispiele dazu auf der Geldmarie. So blöd das klingt: Da ist sogar jeder "Sparefroh" gefragt und gefordert, soweit er ein brauchbares Hausdach zur Verfügung hat...

2018 wird die Stromerzeugung aus Solartechnik in Österreich wohl gerade einmal rund 1,5% des Stromverbrauches ausmachen - auf Deutschland fehlt uns da noch unglaublich viel. Umgekehrt und positiv betrachtet: Wir haben noch viel Potezial...

Bei der für Österreich so relevanten Wasserkraft sollte man sich nicht auf den Bestand verlassen: Trockene Jahre wie 2018 oder 2017 könnten in der nächsten Zeit durchaus häufiger vorkommen. Speicherkraftwerke, Pumpspeicherkraftwerke (für Überschussstrom) sowie auch Laufkraftwerke (auch Kleinwasserkraft!) sollten durchaus erhalten bzw. sogar ausgebaut werden, möchte man den 100% deutlicher näher kommen.

Gerade unter dem grünen Mäntelchen des Umweltschutzes (oft sind es aber auch nur Floriani-Prinzip-Jünger) wird auch der Umbau oder Neubau von Wasserkraftwerken immer schwieriger. Teilweise wohl auch berechtigt, tatsächlich sollte man sich hier da und dort seitens E-Wirtschaft und Lokalpolitik aber nicht von allen Raunzereien aufhalten lassen.

Sehr traurig geht es derzeit auch in der Windkraftbranche zu. Auf ca. 11% der heimischen Stromerzeugung kommt die Windkraft schon, Deutschland hat hier den doppelten Wert erreicht und baut auch noch weiter aus. Ca. 200 schon genehmigte Windkraftwerke warten in Österreich auf Förderungszusagen - die Politik vertröstet und verschiebt nach hinten. 2019 schaut es damit mit dem Windkraftausbau schon jetzt traurig aus...

Biomasse zur Stromerzeugung kocht in Österreich überhaupt nur auf einem sehr kleinen Flämmchen, hat 2018 bzw. davor ob Pleiten weiter nachgegeben und war zuletzt sogar im aktuellen Bestand (laufend 300 MW Leistung) aktut gefährdet. Wiewohl der Biomassestrom ein sehr teurer Spaß ist, welcher ohne Förderungen wohl kaum möglich wäre (das gilt wohl auch für die nächsten Jahre), ist diese Art der Stromerzeugung (im Gegensatz zu Sonnenstrom, Windstrom und sogar auch Wasserstrom) eine sehr konstante und zuverlässige und sollte im waldreichen Österreich nicht ganz verschwinden. Je höher die Strompreise anziehen, desto mehr kann man auch wieder auf die Biomasse (insbesondere Holz!) setzen.

Das Jahr 2030 rückt rascher näher, als (zuletzt politisch kurzlebige und durchsetzungskräftige) UmweltministerInnen dies denken. Eine Ökosoziale Steuerreform wäre dringend an der Zeit, ALLEN derzeit bekannten und funktionierenden erneuerbaren Energien müsste man raschest Investitionsförderungen zukommen lassen! Das Geld würde dabei übrigens großteils im Lande bleiben und verhindern, dass neben der schon lange existenten und leider auch nicht so rasch zu beendenden Erdöl- und Gasimportabhängigkeit auch noch eine noch größere Stromimportabhängigkeit Österreichs resultiert...

Zu 100% sicher ist jedenfalls, dass diese Regierung die 100% erneuerbare Stromerzeugung bis 2030 nicht einmal annähernd schafft bzw. nicht die dafür nötigen Schritte setzen wird. Jede Wette darauf!

Ad hoc-Meldung - Jänner 2019
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Zuletzt verändert: 04. 01. 2019, 17h47