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Die Geldmarie

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Das Energie-Lexikon von Rüdiger Paschotta


Energie-Lexikon lesen zahlt sich aus

Die Geldmarie ist in Sachen Energiesparen bzw. Energie ja eher "interessierter Laie" - auch wenn das Wissen mit jedem Artikel (gelesen oder auch selbst geschrieben) durchaus steigt. Eine Webseite, die sowohl für Laien als auch für Energieprofis Mehrwert in vielerlei Hinsicht bietet, wurde mir von "Energieprofi" Mario Sedlak (siehe Linktipp) nahegelegt: Das RP-Energie-Lexikon von Dr. Rüdiger Paschotta.

Populäre Irrtümer in Sachen Energie

Prinzipiell ist das Gesamtwerk (schon mehrere hundert Seiten mit feinen Beiträgen) schon ein Meisterwerk - für Einsteiger ist aber jedenfalls einmal die Rubrik "Verbreitete Irrtümer in Energiefragen" empfehlenswert, wo der Physiker Rüdiger Paschotta klar und verständlich mit einer Vielzahl von Sagen und Legenden aus dem Energiebereich aufräumt.

Für die nächste Diskussion am Stammtisch ist die Lektüre demnach unbedingt zu empfehlen - die Geldmarie hat sich erlaubt, ein paar besonders oft verwendetet Klassiker hier herauszuheben und auch ein wenig den eigenen "Senf" hinzuzufügen.

Mein Strom ist zu 100% aus Wasserkraft

Absolute Irreführung. Nachdem auch in Österreich der Strom keine Mascherln hat, kommt aus der Steckdose natürlich und fast jederzeit auch ein gewichtiger Anteil an Strom aus Kohle, Gas, Atomstrom etc. - 100% grüner Strom wird auch in Österreich fast zu keiner Zeit produziert. Zu Spitzenzeiten und bei hohen Importen von Billigstrom aus dem Ausland (Deutschland!) ist da jede Menge Dreck dabei.

Trotzdem macht es Sinn, sich die Herkunft des Stromes seines Anbieters genauer anzusehen - siehe nächster Punkt.

Ökostrom ist Schwindel

Das wird von Rüdiger Paschotta richtigerweise als "unzulässige Verallgemeinerung" tituliert. Denn es gibt auch in Österreich Stromanbieter, die 100% Grünstrom nicht nur mit billig zugekauften CO2-Zertifikaten "reinwaschen" (wie fast alle sogenannten Ökostromangebote), es gibt auch Anbieter wie die oekostrom AG, die AAE Naturenergie oder die W.E.B., welche ausschließlich selbst produzierten Grünstrom aus Wind, Wasser und Sonne anbieten bzw. diesen nur dort zukaufen, wo wirklich Grünstrom produziert wird. Genau solche Unternehmen sollte man unterstützen.

Windkraft ist in Sachen Versorgungssicherheit unnötig

Paschotta: Halbwahrheit, Propaganda.

Tatsächlich reduziert die Windkraft in Deutschland (und auch in Österreich) die notwendigen Stromimporte (Ölimporte, Kohleimporte, Gasimporte) schon jetzt massiv - Überschüsse bzw. Windmängel könnten durch bessere Netze in ganz Europa noch deutlich besser verteilt bzw. kompensiert werden.

Photovoltaik verursacht in der Herstellung mehr Energie, als man damit gewinnen kann

Klarer Blödsinn - die energetische Amortisationszeit beträgt (je nach Type) gerade einmal ein paar Jahre. 25 bis 30 Jahre funktioniert eine moderne Photovoltaikanlage.

Solarenergie oder Windkraftwerke sind nur dann sinnvoll, wenn man Strom speichern könnte

Kategorie: Propaganda.

Solarenergie ist genau dann da, wenn Energie vermehrt gebraucht wird: Am Tag, wenn der Energieverbrauch besonders hoch ist. Durch Solarenergie wird die "Stinkerenergie" verdrängt und Pumpspeicher müssen deutlich weniger oft abgerufen werden. Ähnliches gilt für Windenergie - hier kommt es eher nachts (bei Starkwind) zu überschüssen, die man aber mit guten Netzen bzw. gutem Strommanagement auch sinnvoll verteilen kann.

Gute Energiespeicher sind DIE Lösung

Halbwahrheit: Werden die Netze für den internationalen Stromaustausch nicht verbessert, stimmt das durchaus. Die vorhandenen Speicherlösungen sind aber für ausschließliches Einspeisen und Abrufen von Erneuerbaren (Photovoltaik oder Wind) noch viel zu teuer - da sind z.B. Pumpspeicher für Engpässe noch deulich günstiger.

Erneuerbare Energie mach den Strom immer teurer

In Österreich ist das eine klassische Falschaussage: Die Strompreise sind in Österreich seit dem Atomausstieg Deutschlands massiv gesunken - auf der Rechnung finden sich dafür aber natürlich höhere Kosten für die Förderungen (der Erneuerbaren). Man sollte hier aber nicht vergessen, dass gerade das hohe Angebot an erneuerbaren Energien (und auch die billigen Rohstoffkosten für die Stinker) für den gedrückten Strompreis hauptverantwortlich ist.

Würde man die Industrie nicht gegenüber den Privathaushalten in Sachen Ökostromförderung massiv bevorteilen, käme da sogar ein klares Preisminus raus - die Inflation gar nicht miteinbezogen. In Deutschland ist die obige Aussage auch nur ein wenig wahrer - denn ohne Erneuerbare wäre die Energiewende in Deutschland (schon mangels guter Wasserkraftmöglichkeiten) Illusion.

China, Indien und Co. machen den Klimaschutz in Europa unsinnig

Halbwahrheit: Natürlich wird in China deutlich mehr Dreck produziert als noch im letzten Jahrhundert - immerhin haben wir ja Teile der Produktion quasi nach China ausgelagert...

Sich da jetzt zu beschweren, ist auch ein wenig (sehr) kurzsichtig: In Europa ist der Energieverbrauch pro Person noch immer x-fach höher als in China, Indien, Afrika etc.

Das einst kommunistische China agiert dieser Tage in Sachen Wirtschaft oft "Manchester-Liberal" - denkt aber in Sachen Umwelt auch schon nach. Nein: Handelt sogar.

Elektroautos sind klimaneutral

Wieder eine Halbwahrheit: Denn der Strom kommt ja (wie eingangs erwähnt) aus der Steckdose, und deren Inhalt ist natürlich nie wirklich klimaneutral.

Kollege Mario Sedlak geht hier noch einen Schritt weiter und behauptet (nicht ganz zu Unrecht), dass sogar 100% mit Eigenstrom (z.B. Photovoltaik) aufgeladene Elektroautos nicht klimaneutral sind - schließlich könnte man den da verbrauchten Strom ja woanders auch verwenden und dieser würde dann "bösen" Strom verdrängen. Stimmt - aber geht der Geldmarie dann doch ein wenig zu weit!;-)

Kernenergie ist billig - Atomkraft zahlt sich aus

Erstaunlicherweise kommt hier seitens Dr. Rüdiger Paschotta nur die Beurteilung "Halbwahrheit" - ich hätte mit "Lüge oder Propaganda" gerechnet.

Fairerweise sagt Paschotta dazu: "Bestehende Kernkraftwerke weiter zu betreiben, ist fast immer billiger, als die elektrische Energie auf irgendeine andere Weise zu erzeugen. Die hohen Baukosten spielen dann ja keine Rolle mehr – gebaut wurden die Kraftwerke ja ohnehin schon – und der Betrieb ist kostengünstig, selbst wenn die Uranpreise kräftig anziehen."

Für neue Atomkraftwerke gilt aber: Die Investitionskosten (=Kapitalkosten) für Atomkraftwerke werden -auch ob der Kosten für bessere Reaktorsicherheit- immer höher - aus mangelnder Wirtschaftlichkeit werden fast keine Atomkraftwerke mehr gebaut bzw. finanziert.

Für Kraftwerke werden seitens Atomlobby bzw. Betreiber (die es zweifelsohne gibt und die ihre Arbeit lange Jahre gut gemacht hat) schon fixe Einspeistarife von 10,9 Cent/kWh auf 35 Jahre (!!!) mit Inflationsausgleich (!!!) gefordert - da liegen die Einspeisetarife für Windenergie oder Solarstrom in Österreich (dann allerdings nur auf 13 Jahre und ohne Inflationsausgleich!) schon deutlich darunter. Und solche Atomkraftwerke werden oft (auch aus politischen Gründen) dann trotzdem nicht gebaut!

Tja, und was wäre dann noch in Sachen atomare Unfälle und Haftungen bzw. Endlagerung ungeklärt. Alles.

Atomkraft sollte demnach eindeutig ein Auslaufmodell sein.

Das Energie-Lexikon ist eine wahre Fundgrube für Energie-Tüftler - schau'n Sie sich das an und sehen Sie auch auf der Seite von "Tippgeber" Mario Sedlak vorbei! Sie haben dann hinkünftig am Stammtisch (oder wo auch immer) sicher die besseren Argumente.

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Zuletzt verändert: 09. 03. 2016, 14h02