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Die Geldmarie

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Briefmarken sammeln schwer out


Briefmarken sammeln wird selten

Vor einigen Jahrzehnten war es auch unter Kindern noch sehr stark verbreitet: Das Sammeln von Briefmarken. Dieser Tage sind alte Sprüche a la "Ich zeige Dir noch meine Briefmarkensammlung", "Ich zeige Dir meine Schallplattensammlung" oder auch schon "Ich zeige Dir meine CD-Sammlung" ein deutlicher Hinweis auf das schon fortgeschrittene Alter des Spaßvogels. Denn das Briefmarkensammlung (die Briefmarkenkunde wird auch als "Philatelie" bezeichnet) ist schwer außer Mode gekommen...

Briefmarkensammler sterben weg

War das Sammeln von Marken vor vielen Jahren noch ein Massenhobby, welches zur Gründung von unzähligen Briefmarkenvereinen führte, so findet man dieser Tage junge Sammler nur noch äußerst selten.

Vor ca. 25 Jahren war die Geldmarie kurzzeitig auf Besuch bei einem Wiener Briefmarkenverein. Schon damals gab es offensichtliche Nachwuchsprobleme - das Auftauchen von jungen Menschen wurde nahezu mit Begeisterung (bei den sonst eher ruhigen Philatelisten) begleitet und brachte auch gleich ein paar Markenspenden ein. Das Durchschnittsalter im Verein dürfte schon seinerzeit bei ca. 60 bis 70 gelegen sein - dieser Tage muss man sich wohl in den meisten Briefmarkenvereinen mit traurigem Mitgliederschwund abfinden.

Kinder sind dieser Tage nur noch selten Briefmarkensammler - auch wenn der Sammeltrieb natürlich nach wie vor gegeben ist. Heute sind es eben Actionfiguren, Panini-Fußballpickerl, Spar-, Merkur- oder Billa-Sammelalben oder Autos von "Cars" (Film) bzw. natürlich auch Barbie & Co.

Was kaum verwunderlich ist - immerhin wissen viele Kinder gar nicht mehr, was ein Brief oder eine Postkarte ist und Briefmarken werden nur noch sehr selten gesichtet.

Der Niedergang der Briefmarke

Schon im 19. Jahrhundert war die Philatelie ein weit verbreitetes Hobby, welches im 20. Jahrhundert dann weiter gepflegt und ausgebaut wurde. Mangels Telefon (das war ab dessen Erfindung nur wenigen zugänglich und nicht flächendeckend verbreitet) war das Schreiben von Briefen oft unumgänglich. Mit dem Tourismusboom in den 1960ern und 1970ern wurde das Brief- und Ansichtskartenvolumen dann sogar noch gesteigert.

In den 60ern, 70ern und 80ern lag das Volumen bei den in Österreich aufgelegten Sondermarken noch regelmäßig bei deutlich über 3 Millionen. Ende der 1980er und in den 1990ern fiel die Auflage dann schon unter 3 Millionen (abgesehen von den Weihnachtsmarken und den Dauermarken).

Schön langsam zog dann Ende der 1990er das Internet in vielen Haushalten ein - das Schreiben von Briefen war plötzlich ziemlich uncool geworden. E-Mail grub dem Brief einiges an Bedeutung ab.

Ab 2000 ging es dann mit den Auflagen von Briefmarken rapide bergab: Legt man 2000 bei den Sondermarken noch zumeist noch deutlich über 2 Millionen auf, gab es 2001 oft schon Auflagen von 1,5 oder 1,2 Millionen. 2002 wurde rasch die 1-Millionen-Grenze unterschritten - 420.000 bzw. 520.000 Marken waren 2002 plötzlich der Standard. 2003 ging die Auflage dann wieder ein wenig rauf um sich 2004 bei 400.000 bis 500.000 zu finden.

Ein paar Jahre später war man dann bei Auflagen von 150.000 oder 160.000 angekommen (manche Sondermarken allerdings auch mit mehr Auflage) - die Marke aus Österreich war kaum mehr nachgefragt.

Internet, E-Mail, Digicam und Smartphone reduzieren Briefverkehr

Im Privatbereich hat sich das Briefaufkommen ob flächendeckend verbreiteter Telefonie schon länger reduziert. Internet bzw. Mails haben dann noch kräftig nachgelegt - Urlaubsgrüße laufen dieser Tage schon längst über Email bzw. Digicam und neuerdings wird via Smartphone oft schon live berichtet (Facebook & Co.).

Ein Trend, der sich weiterhin fortsetzen wird - die Ansichtskarte aus dem Urlaub ist schon ziemlich selten geworden.

Auch die internationale Freundschaftspflege bzw. der Familienkontakt wird lange schon via Skype, Telefon oder Smartphone abgewickelt - die Gebühren dafür sind zuletzt auch deutlich gesunken, die technischen Möglichkeiten haben sich rasant weiterentwickelt.

Post reduziert Briefmarken

Noch immer ist die Sparte Brief für die heimische Post sehr gewinnbringend. Der weiter oben via Auflage von Sondermarken skizzierte Niedergang der Briefmarke ist natürlich nicht mit dem gesamten Postaufkommen ident.

War es früher auch in vielen Firmen üblich, Geschäftspost mit Marken zu bekleben (das Abschlecken der Marken war damals besonders "beliebt"...), so sind mittlerweile schon längst Frankiermaschinen eingezogen. Auch im Privathaushalt werden (trotz Email) noch immer Briefe geschrieben (z.B. mit Behördern, Versicherungen etc.) - es findet sich allerdings immer seltener eine Marke auf diesen. Auch Pakete werden nur noch sehr sehr selten mit Briefmarken frankiert - und oft ohnehin auch schon lange von alternativen Paketzustellern transportiert.

Da der nächstgelegene Briefkasten ohnehin schon vor Jahren abmontiert wurde (die Briefkästen wurden vielerorts massiv reduziert) fährt man zwangsweise schon länger zur nächsten Post bzw. zum Post-Partner und zahlt dort in Bar - die Freimachung erfolgt dann schon lange nicht mehr mittels Briefmarke.

Mit den komplizierter (und teurer) gewordenen Brieftarifen kennt sich ohnehin kaum jemand aus - da macht man oft lieber gleich "bar frei".

Möchte man Marken kaufen, so gibt es in der Trafik schon lange keine mehr, der Postpartner hat die gewünschte Nominale gerade nicht bzw. führt ohnehin nur die neuen (absolut hässlichen) Freimarken. Fragt man bei der Post um Marken, gibt es fast nur noch Sets (von den grauenhaften Freimarken) - dabei möchte man ja eigentlich nur eine schöne Marke...

Die Post tut auch sonst nicht viel, um das Briefmarkensammeln anzukurbeln: Das tolle Fachblatt "Die Briefmarke" gibt es seit einiger Zeit nur noch online.

Positiv zu erwähnen ist allerdings die Kreativität bei einigen Sondermarken der letzten Jahre - da sind schon richtige Kunstwerke entstanden. Auch Markenbücher, Briefmarken zum selber gestalten ("Meine Marke") haben zumindest ein paar neue Fans gebracht.

Insgesamt dürfte das Briefmarkensammeln bei der Post nicht mehr sehr hoch im Kurs stehen. Dabei verdient man an Sammlern prächtig: Nicht abgestempelte Briefmarken wurden ja voll bezahlt und sind an keine weitere Leistung (Beförderung) gebunden - da konnte man durch den Umstieg von Schilling auf Euro (Schillingmarken sind nicht mehr gültig) zusätzlich hohe Millionenerträge lukrieren.

Wert von Briefmarken derzeit fallend

Aufgrund des aktuell sehr hohen Angebots an Briefmarken (viele sind des Sammelns überdrüssig, zu alt, veräußern einen Nachlaß etc.) kommt es schon seit einigen Jahren zu einer regelrechten Marktschwemme. So sind bei Erstellung dieses Artikels alleine auf Ebay.at über 44.000 Auktionen im Segment Briefmarken-Österreich eingestellt!

Viel Angebot und wenig Nachfrage ergibt üblicherweise fallende Preise - an die haben sich Sammler schon viele Jahre zu gewöhnen.

Zwar suggeriert der Austria-Netto-Katalog ("ANK" - DAS Nachschlagewerk für Briefmarkensammler) noch halbwegs passable Preise - die werden in Wirklichkeit aber schon lange nicht mehr gezahlt.

Insbesondere Marken aus der 2. Republik (Nachkriegszeit, in Schillingwährung) werden verschleudert - oft kriegt man für feine Sets nicht einmal mehr einen Euro.

Sehr wohl gibt es aber doch einige noch immer recht teure Briefmarken aus Österreich - eine diesbezügliche Übersicht einiger Auktionsergebnisse finden Sie hier: Wertvolle Briefmarken

Alte Briefmarkensammlungen (z.B. aus einer Erbschaft, Verlassenschaft) sollte man demnach unbedingt prüfen. Ob derzeit ein guter Zeitpunkt für einen Verkauf ist, darf allerdings bezweifelt werden...

Numimatik wird weiterleben

Das Sammeln von Briefmarken wird jedoch keinesfalls aussterben - zu lange gibt es dieses Hobby schon! Solange es Briefmarken gibt (und diesbezüglich ist ein Ende noch nicht absehbar), wird es auch Sammler geben - das Schicksal der Sammler von Telefonwertkarten (einst ein Boom, heute nur noch minimalst) droht nicht so rasch.

Qualität geht auch dieser Tage über Quantität - und die Freude am Sammeln wird auch in den nächsten Generationen einige Menschen zu Briefmarken führen.

Während die Massenauflagen Ende des 20. Jahrhunderts wohl uninteressant bleiben, könnte der Rückgang bei den Auflagen früher oder später wieder einige begehrte Marken entstehen lassen. Vielleicht sollte man die wenigen Briefmarken, die man dieser Tage noch erhält, doch nicht wegwerfen...

Ad hoc-Meldung - Februar 2013
Zuletzt verändert: 21. 03. 2017, 08h47