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Die Geldmarie

Das unabhängige Finanzportal

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Staatsverschuldung Österreich


Entwicklung der Staatsschulden in Österreich

Als Staatsverschuldung (öffentlicher Schuldenstand) bezeichnet man gemeinhin alle Forderungen von Gläubigern an einen Staat. Hiezu zählen Forderungen an Bund, Länder, Gemeinden, und ähnliche dem Staat zurechenbare Einrichtungen. Der Wert wird zumeist Netto (also bereinigt um Forderungen seitens Staat) angegeben.

In einigen Rubriken der Geldmarie wird von einer weiteren Staatsverschuldung Österreichs massiv gewarnt. Denn die harten Zeiten stehen den reichen Ländern in "good old Europe" noch bevor. Und da wird es für den sozialen Frieden wesentlich sein, dass die öffentliche Hand nicht nur Schulden zurückzahlt, sondern auch noch strategische Reserven hat.

Leider sind solche Reserven in Österreich heute schon längst nicht mehr vorhanden. Verbraucht durch die sogenannte "Aufbaugeneration", der man wenig Böses nachsagen kann - außer: Sie hat uns in den letzten Jahrzehnten das Zukunftssackerl ganz schön ausgeräumt.

Hat ja keiner schlecht gemeint - aber leider wurde in den letzten Jahrzehnten Politik nur für die nächste Wahl gemacht. Für die übernächste Generation sicher nicht. Folgende Zahlen sollten dies verdeutlichen:

Staatsverschuldung Österreich neue Berechnung gemäß ESVG 2010

Jahr Gesamtschulden in Mrd. Euro Schulden in % des BIP
2020 76,6*
2019 78,7*
2018 80,8*
2017 82,6*
2016 84,3*
2015 290,7 86,2
2014 277,4 84,2
2013 260,9 80,8
2012 259,3 81,5

Alte Daten können sich ob Nachberechnung noch leicht ändern, *Prognose

Staatsverschuldung Österreich alte Berechnung

Jahr Gesamtschulden in Mrd. Euro Schulden in % des BIP
1980 27,00 35,4
1985 49,58 48,1
1990 76,52 56,1
1995 119,21 68,3
2000 138,04 66,5
2001 142,60 67,1
2002 146,02 66,7
2003 146,87 65,8
2004 151,87 64,7
2005 157,43 64,2
2006 161,39 62,3
2007 165,02 60,2
2008 180,47 63,8
2009 191,07 69,2
2010 206,61 72,5
2011 218,63 73,1
2012 228,42 74,4
2013 233,30 74,5

Quellen: ÖNB, Statistik Austria. Daten der Vorjahre werden zumeist noch leicht korrigiert, *=Prognose Wifo

Wer sich diese Tabellen genau ansieht, wird erkennen, daß es nicht Bruno Kreisky alleine war, der Österreich in Schulden stürzte - in den Jahren der SPÖ-Regierungen unter Sinowatz und Vranitzky wurde ein Großteil des Schuldenbergs zusammengetragen. Der EU-Beitritt Österreichs wirkte sich absolut postiv auf die Entwicklung der Gesamtverschuldung aus (wohl auch, weil es plötzlich externe Kritierien gab, die die SP/VP-Regierungen befolgten).

Die Regierungen Klima, Schüssel und sogar Gusenbauer setzten diesen Konsolidierungskurs fort. Schulden konnten jedoch niemals abgebaut werden - auch nicht im Jahre 2001, als der damlige Kanzler Schüssel mit Finanzminister Grasser den (falschen) "Nuller" feierten (siehe Grafik).

Darüber hinaus wurde unter Grasser/Schüssel wertvolles Staatseigentum verkauft (privatisiert) - Einnahmen, die in den Folgejahren nicht mehr zur Verfügung standen. Teilweise wurde auch ziemlich unter dem heutigen Wert "verscherbelt" - dafür behielt man die AUA und musste ein paar Jahre später noch Geld dafür hergeben, dass die Lufthansa die AUA überhaupt übernimmt...

Sodenn: Kein "Freispruch" für Kreisky - denn der fing ja so richtig mit den wirklich roten Zahlen (im wahrsten Sinn des Wortes) an. Und auch keine Heiligsprechung von ÖVP/FPÖ (Schüssel/Riess-Passer/Grasser). Bookmarken Sie diese Seite für Diskussionen mit Phrasendreschern. Hier steht es schwarz auf weiß.

Die Finanzkrise hinterlässt jedenfalls ab 2008 wieder deutlich sichtbare Spuren, welche so schnell nicht auszumerzen (und irgendwann zu bezahlen) sind. Der starke Anstieg ist 2009 schon deutlich zu erkennen - für 2010 wurde ein Rekordschuldenstand von deutlich über 70% des BIP gemeldet. Mit dem Einbau der "Hypo-HETA-Krot" stiegen die Schulden dann 2015 auf fast 87% des (neu berechneten) BIP.

Das sind dann zum Jahresende 2015 um die 296 Milliarden an öffentliche Verschuldung (neue Berechnung gemäß ESVG 2010) - und hoffentlich bald der Höchststand. Ob vielleicht positiven Hypo-Heta-Abwicklungs-Sondereffekte (deren Ausmaß aber endgültig wohl vor Gericht entschieden wird) wird dann ab 2016/2017 (vielleicht) mit rückläufigen Gesamtschulden zu rechnen sein. Wenn nicht irgendwo wieder eine böse Überraschung auf die Steuerzahler wartet...

Die wirklichen Staatsschulden könnten nämlich noch deutlich höher sein als hier angeführt: Haftungen für europäische Rechnungsschirme oder Banken (Volksbanken etc.) könnten noch schlagend werden. Darüber hinaus könnten steigende Zinsen (derzeit aber kaum zu erwarten) oder schwächere Konjunktur bzw. nicht geschaffte Reformen und Steuervorhaben (z.B. Finanztransaktionssteuer, Steuerbetrugsbekämpfung etc.) für deutlich schlechtere Zahlen sorgen.

Die heimische Politik hat diesem Schuldenberg bisweilen (Stand 2015) noch immer keine brauchbaren Strukturreformen entgegengesetzt. Eine Sanierung dieses politischen Finanzverbrechens (an Österreichs Jugend) wäre höchst an der Zeit - andernfalls wird auch in Österreich früher oder später wieder einmal der Hut (und hoffentlich nur der) brennen.

Die ambitionslosen Steuererhöhungen aus 2012 und 2014 verzögern nur die Budgetsanierung - wichtige Reformen werden von der großen Koalition (so lange es sie noch gibt) Jahr für Jahr hinausgeschoben. Auch die Steuerreform 2016 (2015 beschlossen) bringt keine Besserung, im Gegenteil - Weiterwursteln ist das Motto.

Zur Info hier das aktuelle Budgetdefizit Österreichs.

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Zuletzt verändert: 26. 04. 2016, 12h50